Entdeckung


vieler

deutlichen Spuren

der

Mondbewohner

besonders eines

collosalen Kunstgebäudes

derselben.



Vom

Franz von Paula Gruithuisen,


Doctor der gesamten Medizin, Königl. Bairischem Professor
an der Schule für Chirurgie zu München, Mitgliede der
physicalisch - medicinischen Societät zu Erlangen und der
Kaiserl. Leopoldinisch - Carolinischen Akademie der
Naturforscher zu Bonn.



Besonderer Abdruck dieser im Archiv f.d.g. Naturlehre
Bd.I. mitgetheilten Abhandlung.



1824





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Es gehört mit zu den dringendsten Aufgaben der Naturforscher, zu bestimmen, welche Höhe die Organisation auf dem Monde bereits erreicht habe*). Dieses würde uns am Trefflichsten gelingen, hätten wir Beweise des Daseyns der höchsten Stufe der Organisation auf ihm, weil sich dann alle niedrigeren von selbst verständen. Schon Schröter hat in seinen weltbekannten selenotopographischen Fragmenten**) bewiesen, daß die vielen kleinen, kaum über 50 Fuß hohen, Hügelchen am Marius im Monde (nördl. Br. 15°, östl. L. 49°) gerade so aussehen, als wir vom Monde aus eine Stadt sehen würden. Es ist doch höchst merkwürdig, daß die subjective Überzeugung vom Daseyn organisirter und lebender Wesen auf diesem Weltkörper in dem Maaße steigt, als man mit den feinern Bildungen und mit den vielen Veränderungen auf dessen Oberfläche bekannter wird. Dieses Steigen aber wird um so mehr befördert, je mehr man die physikalischen Verhältnisse kennt, unter denen der Fort-


*) Daß auf diesem Weltkörper organische und lebende Wesen seyn können, habe ich in den Verhandlungen der Kaiserl. Leopoldinisch - Carolinischen Academie der Naturforscher (Bd.X. Abth.II. S.650-670.) physiologisch dargethan, ohne dabei mich nur des sechsten Theiles der Beweismittel zu bedienen, die mir zu Gebote gestanden. wären, um die zur Annehmlichkeit einer solchen Darstellung nöthige Kürze nicht zu überschreiten.
**) §. 748. S. 185. im alten Theile.


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bestand*) solcher Wesen möglich ist, und wenn man nach dem letzten Viertel und kurz vorher viel beobachtet hat, wann dort die Vegetation und das Leben am regsten sind. Darum ist die Sache, die hier verhandelt wird, nicht für den Verstand, der nur mit alltäglichen Begriffen zu arbeiten pflegt, der schon ein Männlein und ein Weiblein aus dem Monde sehen will, sobald man von den Spuren lebender und verständiger Wesen auf seiner Oberfläche zu reden anfängt. Da jedoch nicht Jeder auf diesem fernen Himmelskörper wie in seinem Geburtsorte bekannt seyn kann, so würde ich keine kleine Schuld auf mich laden, wenn ich nicht vorerst durch fremde und


*) Ich verweise auch hier wieder auf die eben citierten Verhandlungen, und nehme mir die Freiheit, dabei zu bemerken, daß, obgleich man die Entstehung der organischen Wesen auf einem Weltkörper, wo die größte Hitze mit der Gefrierkälte des Quecksilbers wechselt, vorläufig sehr schwer begreift, dennoch gewisse Hoffnungen hervorschimmern, dieses dereinst wohl begreifen zu können, wenn wir uns nur zu dem Gedanken der Möglichkeit entschließen werden, daß die Kometen nicht bloß anfangende Planeten, sondern auch die Mutterorte sind, worauf am Besten die Organisation zu allen jenen Anlagen kommt, die sich erst weiter zu entwickeln pflegen, sobald der Komet sich mit einem Planeten oder Monde vereint hat, davon unser Mond ein so gar lebendiger Zeuge ist. Denn in Ansehung eines nicht grellen, aber fortwährenden Tages und eines ununterbrochenen Zustandes zwischen Frühling und Sommer, können wir nur vorzugsweise die größeren Kometen mit ihren Millionen von meilenhohen sanft brennenden Atmosphären im Auge haben, und dabei nur allein die unbegreiflichen Spuren tropischer Organisation am Nordpol der Erde u.s.w. von diesen Fremdlingen ableiten, die sich mit der Erde ehemals vereinten.

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eigene Beobachtungen alle vorzüglichsten Daten aufreihen würde, die die Wirklichkeit organisierter und lebender Wesen im Monde jenen Begriffen mehr nähern müssen, welche wir aus dem gemeinen Studium der Natur geschöpft haben. Um zu beweisen, daß mir die ganze hier zu verhandelnde Sache, durch fast zahllose Beobachtungen, großdeutlich genug geworden ist, will ich, zum Behuf der Kürze, in der Aufreihung obiger Daten, das Ganze durch drei Fragen fixiren.

I.Wie weit geht in Ansehung der selenographischen Breite die Spur der Vegetation
II.Wie weit geht in eben dieser Hinsicht die Spur animalischer Wesen
III.Wo findet man die größten oder deutlichsten Kunstspuren auf der diesseitigen Mond-Oberfläche?

Erste Abtheilung.
Spuren der Vegetation auf der Mond-Oberfläche.

Die alten Weisen und Sternkundigen meinten, die dunklen Flecke im Monde seyen Meere; die neueren erklären sie für Landschaften, die mit Vegetation überdeckt sind. Gewiß ist es, daß jene Flecke ehemals Meere waren, weil ihr Boden ganz offenbar zu den durch Meere gebildeten, sogenannten aufgeschwemmten, Lagern gehörte. Ob indessen daselbst die Meere ganz verschwunden sind, ist eine andere Frage.

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Ich habe viele Beobachtungen beisammen, gemäß welchen wenigstens einzelne stehende Wässer nicht ganz geläugnet werden können*). Doch haben wir uns hierauf um so weniger einzulassen, als es auf das Vollkommenste erwiesen ist, daß der Mond Wolken und Nebel hat, wodurch es auch zugleich gewiß wird, daß ihm das Wasser nicht fehlen könne**). Da es nun an Wasser nicht gebricht, so können wir uns gegenwärtig mit der Vegetation allein beschäftigen. Wahr ist es, daß die grüne Farbe die größte Verrätherin der Vegetation ist. Allein auf der Erde fängt in einer Entfernung von 2 Meilen die Farbe der Tannen an zu verschwinden, in 4 Meilen großer Ferne ist sie ganz schwarz, und in zehn Meilen großer ist auch der hellbelaubte Baum, ohne allen Zusatz, ganz grau, so wie der Maler


*) Ausser Dem, was ich in den oben citierten academischen Verhandlungen (S.672-685.) anführte, will ich, aus den vielen neuen Daten, den Mondforscher nur auf ein Paar Verhältnisse aufmerksam machen. Schröter war ungemein bemüht, auf der inneren, immer ganz eben erscheinenden, Fläche des Archimedes, und auf jener des Plato, mit seinen Rieseninstrumenten wahre Erhabenheiten zu sehen; allein vergebens. Ich sehe mit meinem 2 1/2 füßigen Fraunhofer-Instrumente im ersteren mit Bestimmtheit ein Rundgrübchen und mit dem 5füßigen Fernrohre 4-8 kleine, helle Erhabenheiten wie aus Wasser hervorschimmern, und im letzten sehe ich 1-2-5 feine Rundgrübchen. Sollten diese natürlichen Bassins nicht Wasser enthalten, auf dem zuweilen ein Nebel schwebt; sollte Plato seit 1789 nicht gerade so viel Wasser verloren haben, als zur Sichtbarkeit dieser Rundgrübchen nothwendig ist?
**)Man vergl. die oben citierte academische Abhandlung S. 684.


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ihn dann zu coloriren pflegte. Um so mehr verhält sich's so im Monde. Indessen scheint es, daß nicht alle Farben dieser Austilgung so unterworfen sind, wie die vorwaltenden einfachen Grundfarben hievon eine Ausnahme machen; denn, wenn die dreizehntägige Nacht und harte Winterzeit des Mondes vorbei ist, sahen Schröter und ich schon öfter an den sonst am Tage dunkelsten Stellen, bei denen man die meisten Zeichen der Vegetation wahrnimmt, braune (d.h. purpurgraue), oder fahlgelbe (d.h. gelbgraue) Farben. So sah Schröter (§.392.) 3 Tage nach dem Neumonde die Fläche des Maris crisium, die sonst immer grau ist, gräulichgelb; ich habe am Promontorio arietis Hev., ab Abends 5 Uhr am 31. October 1821 daselbst vor wenigen Stunden die Sonne aufgegangen war, die sonst immer rein-dunkelgraue Gegend bräunlichgrau gefärbt gesehen, und zwar an jeder Stelle des Feldes meiner zwei vorzüglichen Frauenhofer'schen Fernröhre, von 30 und 60 Zoll Brennweite; ja, es scheint sogar, daß die sogenannten Meere öfters an diesem Farbenwechsel Theil nehmen, da ich schon mehrmals die einen hellgelblichgrau oder hellbräunlichgrau gesehen, während andere ganz reingrau waren; doch beobachteten diese Meere dabei nicht streng - bestimmte Zeit gleich nach dem Neumonde, sondern meist später; was offenbar auf ganz andere verschiedene Arten der Vegetation deutet, indem jener kleineren Flächen Pflanzenblätter vom Winter der Mondnacht und diese der sogenannten Meere erst

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vom brennenden Sonnenscheine gelb oder braun zu werden scheinen.- Indessen läßt sich wenigstens diese gebrochene Buntfarbe der Meere auch von der Ausdünstung des Bodens herleiten, da ohnfehlbar das stratus - oder höhenrauchartige gestreifte Ansehen, welches vom Tycho, Copernicus, Kepler u.a. nach dem Vollmonde wie Radien auszugehen scheint, keine andere Erklärung zuläßt, als die des athmosphärischen Nexus mit den Schwaden, welche aus den Klüften aufsteigen, die durch das Versenken größerer Weltkörper dem Monde gemacht wurden, und wovon einige unter den unzählichen wirklich noch sichtbar sind*).
Wer diese Ableitungen zu kühn findet, den erinnere ich bloß daran, daß sie weniger zum Behufe einer Theorie, als vielmehr zur Aufstellung neuer Untersuchungsprobleme dienen sollen; denn wenn man solcher Ansichten entbehrt, entbehrt man auch der Richtung in der Forschung, und ohne jene ist diese so viel als ganz todt; ein Verhältniß, welches auch für jedes Ergebniß der folgenden Untersuchungen hier gelten soll. Was aber überhaupt hieran zuverläßig ist, ist die Beobachtung selbst, die weder von Schröter, noch von mir durch eine theoretische Brille gemacht wurde, und die ich auch kei-


*) Schröter hat einige dieser Streifen für Bergadern erklärt. Allein es wurden durch ihn nur die über den Klüften erschienenen Nebel dafür gehalten, wie dieses auch mir schon ein Paarmale zu Theil wurde. Und diese Nebel müßten daher die Wirkung neuerzeugten Wassers seyn.

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nem anderen aufsetzen möchte, sondern nur Alles der scharf-kritischen Prüfung bloßstelle.
Die Tatsache aber, welche von dem bestimmten monatlichen Wechsel der grauen, mehr oder weniger dunklen, Farbe auf der Mondfläche aufgegriffen sind, geben schon ein viel sichereres Resultat. Und Schröter hat trotz dem, daß er in dieser Hinsicht die Beobachtungen fast nur im Gedächtnisse aufbehielt, aus diesem Farbenwechsel auf Vegetation geschlossen; und dieses Ergebnis hielt er so fest, daß er bei jeder Gelegenheit darauf baute. Eben so geht es mir nun nach einigen hundert Beobachtungen, davon ich den größten Theil in die Tagebücher eingezeichnet habe. Aus diesen meinen vielen Beobachtungen ergiebt sich nun: daß der Mond zweierley Gattungen*) von dunkeln Flecken und eine dritte Gattung grauer Landflächen hat, deren Erscheinungen sich einzig und allein durch Vegetationsprozesse genügend erklären lassen.
Die erste Gattung betrifft solche dunkle Flecken, welche schon gleich bei ihrem Sonnenaufgang sehr dunkelgrau sind und bei höherem Stand


*) Eine Gattung dunkler Flächen, die hier nicht mitgezählt ist, gehört zu denen, welche unbestimmt veränderlich sind und die Vermuthung veranlassen, daß ihre Erscheinungen nicht von Vegetation, sondern von Wasser herrühren: als Beyspiel gelten die Ringflächen des Plato, des Archimed, Firmicus, Endymon, Schickard u.m.A., worüber ich das Ausführliche noch nach schärferer Erforschung bekannt machen werde.

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der Sonne erst schwarzgrau werden, in Allem unsern Nadel- oder Schwarz-Wäldern gleichen, in denen Grasflächen eingestreut sind. Hieher gehören vorzüglich zwei Mondflecken*) davon der eine mehr als zur Hälfte ein sanfthügeliches Land vorstellt, zum Theile aber in einen colossalen Kunstbau umgewandelt ist, wovon später mehr gesprochen, werden wird; und der andere aber in zwei gekrümmten Gebirgszügen besteht, welche immer schwarzgrau erscheinen, wie unsere mit Tannen bewachsenen Voralpen. Der erste Mondfleck ist von mir**), den Verdiensten des in der physischen Astronomie ewig unvergeßlichen Mannes die gebührende Achtung zu erweisen, mit Schröter benannt worden, und liegt nach Bode's Angabe im 10° der östlichen Länge und 5° der nördlichen Breite; und der zweite ist das Gebirge, welches von Schröter mit Hignius***) bezeichnet


*)Es gibt dergleichen wahrscheinlich noch mehrere, welche aber zum Theil zu unbedeutend an Größe, zum Theil schwer zu bestimmen sind. Zu den letzteren mögen die westlichen Gegenden des Sinus hipponiates, die dunkelsten Theile im Grimaldi und Riccoli und die meist bald mit Streifen übergitterten, in Südwest beim Copernicus belegenen drei Flecke noch zu rechnen seyn, welche von Riccoli Rheticus, Dom. Maria und Stadius benannt wurden.
**)M. s. in Bode´s astron. Jahrbuche für 1825 S.201 und 258, worin der Name dieses Fleckes förmlich sanctioniert ist.
***)Da den Alten mit gemeinen Fernröhren dieses Gebirge nicht sichtbar seyn konnte, und diese Stelle von Ric-[weiter auf Seite 11]cioli, statt mit größerer Dunkelheit, nur noch heller als die Umgebung bezeichnet worden ist, so deutet dieses auf eine seitherige Veränderung der Vegetation daselbst.


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wurde, und nach meiner kleinen Uebersichts-Mond-Charte (die sich in der oben citierten akademischen Schrift und auch im astronomischen Jahrbuche für 1825 findet) unterm 8° der westlichen Länge und 10° der nördl. Breite liegt.
Die zweite Gattung enthält eine fast nicht zählbare Menge von Beyspielen solcher dunkler Flecke, welche einige Stunden, oder Tage vor dem Neumond (je nachdem sie näher dem Aequator oder den Polen liegen) recht auffallend abbleichen, dann nach dem darauf erfolgten Mondwinter, aus dem Schatten der Mondnacht noch ganz abgebleicht und graulichweis hervorkommen, nun (allen Gesetzen der Photometrie zuwider) sich immer mehr verdunkeln, je höher sich die Sonne über ihren Horizont erhebt, und zuletzt ganz schwarzgrau werden, wenn sie 8 - 10 Tage von der Sonne beschienen worden sind, um endlich wieder ganz zu erbleichen, wenn die Sonne anfängt, ihnen ihre Strahlen zu entziehen.
Hierher sind vorzugsweise zu rechnen; a) in der nördlichen Halbkugel: Zoroaster, Timäus, Herkules (mit seiner theilweise dunkelgrau werdenden Ringrinne), Mercurius, Cleomedes, Lac. trasimenus (Hev.), die östlich am Alhazen gelegene Gegend im Mare crisium, der Sinus hipponiates, Boscovich (Schröt.), die Paludes amarae (Hev.); b) in der

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südlichen Halbkugel: Grimaldus und der Mondfleck Riccoli bei ihm, und mehrere Mondflecken in S. von diesen; ferner die 3 dunklen kleinen Flecken in der Ringrinne des Alphonsus, der Mersenius, die Gegenden in Ost von Thebit (Schröt.), und in West von Petavius u. m. a. dgl., wovon ich theils wegen ihrer großen Menge und ihres dem Namen nach noch gar nicht Gekanntseyns, theils, weil dadurch eine Ueberhäufung entstände, keinen mehr anzugeben für nöthig erachte.
Die dritte Gattung gehört zu jenen großen Flächen des Mondes, welche noch jetzt die Namen Meere, oder Oceane, oder Buchten tragen; denn auch diese blassen einige Stunden oder Tage (je nachdem sie näher dem Aequator oder den Polen liegen) recht auffallend ab, wenn sich die Sonne zur Nacht des Mondes neigt, oder vielmehr, wenn sie untergeht. Und so blaß, ja noch viel blasser kommen sie auch, in der Regel wieder aus der Mondnacht hervor, wenn nicht eben ein dünner Nebel ihre Gefilde bedeckt*). - Steigt nun die


*)Dieser durch meine Beobachtungen genau ausgemittelte Zustand (m. s. S. 601 in der zweiten Abth. des eilften Bandes der oben citirten akademischen Verhandlungen) ist es, wodurch hier die Sache nicht in der Regel ist; denn die Morgen-Nebel bedecken bei Aufgang der Sonne vorzüglich die Mond-Maren oft so, daß man sonst recht wohl Circellchen durch das stärkste Fernrohr nicht finden kann, während nach einem Tage, da der Nebel von der Sonne verzehrt worden war, sich durch ein gutes Fernrohr alles Bekannte wieder findet und noch eine große Zahl kleiner Hügelchen und Rundgrübchen dazu sich erblicken läßt.

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Sonne bis über ihren Mittelkreis hinauf, so werden diese Maren immer dunkler, so daß damit die in ihnen enthalten Circellen bis auf ihre Anhöhen grau werden und in diesem Zustande sehr schwer aufzufinden, oder zu erkennen sind, wie dieses auf eine höchst frappante Weise (unter vielen andern) mit den beiden Helicons, alle Monate, der Fall ist. Indessen werden sie im Allgemeinen (einzelne kleine Fleche in ihnen ausgenommen) nicht völlig so blaß wie die Flecke der Gattung II.
Diese drei Gattungen von Zuständen der Vegetation sind eigentlich auch eben so viele Pflanzen-Physiognomien, und deuten zugleich auf besondere Climate, worin sie sich finden.
Allein in Ansehung der Climate der unterschiedlichen Floren des Mondes, dürften wir wohl dereinst noch die Flora der Alpen und der Polarländer unterscheiden. So erscheinen die hohen apenninischen Mond-Alpen beim letzten Viertel ganz anders gefärbt, als beim Ersten und beim Vollmonde; und auch die in Nordwest des Plato liegenden Flächenstriche (welche von Hevel, Riccioli, Hell und Tob. Mayer von Zeit zu Zeit immer weniger dunkel dargestellt wurden), die unter dem Namen des östlichen Theiles des Maris Hyperboreum (H.) und Mare frigoris (Ricc.) bekannt sind (und jetzt selbst nach dem letzten Viertel sich nur noch zu geringem Grau verdunkeln, gehören hierher, und noch mehrere andere Stellen hoher Plateaus, welche weniger die Aufmerksamkeit des Forschers erregen, so wie jene Stellen, welche sich auch immer nach dem letzten Viertel hin verdunkeln, die sich im

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Schickard und um denselben finden, und wovon einer, welchen Riccoli mit Kristmannus bezeichnete, zu seiner Zeit in größerm Flor gewesen seyn muß. Diese Stellen nun, so gewiß sie auch einen monatlichen Farbenwechsel haben (wobei sie aber nie eine Tinte von gelb oder braun zeigen), gehören höchst wahrscheinlich zu denen, welche in vegetativer Hinsicht ungefähr dem rauhen Alpenkamm und den dürren Steppen der Polarländer der Erde gleichen und worauf Moose wachsen, oder die höchstens mit den Kräutern der kälteren Heideländer besetzt seyn können, die aber ihrer Farbe wegen mit den hieselbst gedeihenden Pflanzen im Monde gar nicht vergleichbar sind. Uebrigens finden sich auch noch in den Polarländern des Südens Flecken im Monde, die wegen ihrer stärkern Dunkelheit, die sie alle Monate allmählig annehmen und vor ihrer Nacht wieder verlieren, eine minder ärmliche Vegetation folgern lassen und die sich ungefähr wie der nur immer sehr spät sich erst verdunkelnde Timäus verhalten, woran indessen ohne Zweifel die Nähe großer sogenannter Maren auf der Kehrseite*) des Mondes Schuld sind, wobei diese Maren dieselbe Wirkung ausüben, wie das Mars imbrium auf den Timäus.
Noch viel weniger gewisses können wir über die Pflanzenphysiognomie möglicher cultivirter Mondländer sagen, da unsere Fernöhre hierin nur We-


*) Von dieser Kehrseite sehen wir durch Libration nur Weniges, allein theoretisch läßt sich von ihr das Gesetz des Gleichgewichts vermuthen.

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niges und Unbestimmtes zeigen. So viel dürfte aber erhellen, daß es hierin große Verschiedenheiten geben müsse, weil die barometrische Höhe, die selenographische Breite, und die übrigen Einzelheiten der bewohnten Mond-Länder hierauf gewiß keinen geringen Einfluß haben müssen, wenn anders im Monde ganze Länder cultivirt seyn sollten.
Auf die Frage, wie weit geht in Ansehung der selenographischen Breite die Spur der Vegetation? können wir, dem Vorgehen zufolge, antworten: daß sie in des Mondes Süden bis 55° und im Norden bis 65° reicht, und, daß weiterhin gegen die Pole durch Farbe sich nicht das Geringste unterscheiden lasse, was auf Vegetation Bezug haben könnte; denn diese Zonen heben durch alle Zeiten eine solche blendende Weiße, daß ich schon oft versucht wurde, an den Polen Schnee anzunehmen, um so vielmehr, als die Gebirge derselben immer bei Weitem nicht so scharfrandig erscheinen, als in gemäßigten Zonen.
Bei dem Allen läugne ich aber nicht, daß die Erde, so weit Menschen gegen die Pole vordringen und Berge erklettern konnten, das Ende der Vegetation nicht erreicht wurde.

Zweite Abtheilung.
Spuren animalischer Wesen auf dem Monde.

Die Spuren lebender Organismen können keine andern seyn, als solche, welche auf eine Verän-

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derungsart einzelner Dinge auf der Mond Oberfläche zu schliessen nöthigen, wozu der Natur, ausser der Wirkung der Willkühr, durchaus keine, andern Mittel zu Gebot stehen, wobey es uns vor der Hand gleichgültig seyn kann, ob jene Veränderungsart von Wirkungen des Kunsttriebes, oder, -der Kunst kommt; oder ob sie Erfolg gewisser Verrichtungen ist, welche zu machen lebende Wesen zu gewissen Zeiten genöthigt werden. Es ist hier der Ort nicht, sich weder mit dem trägen Scepticismus, noch mit irgend einer lahmen vermeintlichen Speculation einzulassen, da es ja doch gewiß ist, daß, wenn wir auch ewiglich nicht die Mondthiere durch Fernröhre sehen werden, dieses noch nicht beweise, daß es dergleichen nicht gebe und daß es unsinnig wäre, sie zu läugnen, nachdem wir überzeugt sind, wie luxuriös auf der Erde die Thierheit ausgestreuet ist; daß sie von Pol zu Pol angetroffen werden kann, daß sie in den gemäßigten Himmelsstrichen keinem Fels und keinem stehenden Wässerchen fehlt. Ich sehe mit meinam 5füßigen Fraunhofer'schen Fernrohre, welches vier Zoll Oeffung hat, fast in allen sogenannten Meeren, Seen, Sümpfen und dunklern Ebenen bestimmte Einfurchungen, davon sich dreierlei Arten unterscheiden lassen.
Die erste Art enthält in sich die wahren Klüfte (Schluften) auf der Mondoborfläche. Sie sind zum Theil schon mit schwachen Fernröhren zu sehen, z.B. das lange gerade keilförmige Thal in Südwest des Plato, die von Schröter entdeckte Rille im Süd des Hyginus, die deutliche Spalte in

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Ostsüdost des Thebit im Hell (Schr.) u. dgl.; da hingegen einige andere schon eine stärkere Sehkraft erfordern, wie jene, die sich im Petavius schon dem Schröter zeigte. Folgende von mir entdeckte Spalten dieser Art sind 1) die Kluft beim Cichus (Schr.), welche im Mari nubium von Ost nach West viele Meilen fortläuft und beim Capuanus noch einmal zum Vorschein kommt, indem sie, Berge zerklüftend, sich durch sie fortgesetzt hatte; 2) die wenigstens 50 Meilen lang im Bogen parallel von Sud nach. Nord am westlichen Gränzgebirge des Maris humorum fortlaufenden Klüfte*);
3) die Klüfte auf gebirgigen Anhöhen, deren ich öfter in der Terra sanitatis mehrere sah (z.B. eine sehr große in West, vom Arzachel, mehrere um den Albateginus, in der Peninsula fulgurum u. s. w.) und davon sich auch, einige am gebirgigen Mondrande, (Beym Sirsalis, Grimald, Hevel, und im Mercurius) finden; 4) die lange von Hyginus nach West fortstreichende Kluft; 5) die zwei langen vom Promontorio Herculei (Hev.) kommenden Klüfte, davon die südlichere Kluft (einem Flußbette ähnlich) mit 3 Armen anhebt; 6) jene, welche wenigstens 60 Meilen lange vom Sinus cercinius (Lacus Somniorum Ricc.) bis in den Palus Byces (Hev.) fortläuft und welche (wie auch andere) sehr oft atmosphärisch bedeckt


*) Diese Klüfte sah ich durch ihre ganze Erstreckung (entdeckt hatte ich sie schon lange vorher) vor etwa 12 Jahren, als ich den Mond durch das große Fernrohr mit 7 1/4 Zoll Oeffnung betrachtete, das jetzt der Herr Großmarschall Baron von Zach in Händen hat.

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ist; 7) die Klüfte, welche in Südwest beim Mersenius anfangen und im Mari humorum nach der östlichen Gegend des Gassendi gehen, davon eine durch die Peninsulam fulminum, bis in den Oceanum procellarum herabläuft; 8) die Kluft auf dem Centralgewölbe des Mersenius; 9) die zwei Spalten, welche sich im Nordwesten des Plinius kreutzen; 10) die Spalte durch den Mart. Capella;*)
ll) die vielen Zerklüftungen, welche quer durch Rundgebirge gehen (z.B. in Südwesten von den Apenninen, in Nordwest von den Alpen des Monden herab); nach allen Seiten von Copernicus, vom Archimedes herab, die großen Querklüfte des hohen Kammes der Apenninen u.s.w. Auch könnte man hierher noch zählen jene uneigentlichen Klüfte, welche dadurch entstanden zu seyn scheinen, daß ganze verticale Gebirgs-Schichten sich im ehemaligen tiefen Mondmeere aufgelöst und verloren hatten, und die selbst unter die Oberfläche des Mondes sich hinab erstrecken; wohin eine in der Südseite des Schiller und eine andere in Osten des Aristarch sich findet.
Ob man gleich vorläufig nicht weiß, welche Beziehung diese Klüfte zu den lebenden Wesen haben sollten, so bitte ich einstweilen den Leser um Geduld, bis die dritte Art der Einfurchungen auf der Mondoberfläche exponirt seyn wird. Nur so


*) Nur so viel ist gewiß, daß dieses Rundwallgebirge gespalten ist. Alles Uebrige, was Schröter gesehen hat, scheint ganz und gar aus zufälligen athmosphärischen Bedeckungen entstanden zu seyn; davon noch später Mehreres.

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viel läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit, dafür halten, daß diese Klüfte durch Verwitterung und fließendes Wasser größtentheils mit Bergschutt ausgefüllt sind. Die zweite Art der Einfurchungen betrifft die den Flußarmen und Flußbetten äusserst ähnlichen Gebilde. Vor Allem gehört hieher 1) dasjenige Flußbett, welches ich entdeckte*), und welches nördlich vom Hipparch etwa. 5° entfernt beginnt und sich, wie es, nach einigen meiner neuesten Beobachtungen wahrscheinlich ist, in das Mare vaporum ausmündet. Noch weiter, entdecte ich, 2) mehrere Flußarme, die in großen Spalten (m. s. oben), münden a) zwei Flußarme, (vom Agrippa aus kommend, in den tiefen und weiten Kanal südlich am Hyginus ein, welche Arme man


*) Wenn sich schon mancher Beobachter von der Wirklichkeit dieses Flußbettes, als eines solchen nicht überzeugen zu können glaubt, so wird er es, sobald er dieses überaus deutliche Gebilde in seiner ganzen Ausdehnung in der Wirklichkeit und ohne bedeutede Atmosphärische Trübung erblickt. So gelang es mir einmal es mit sieben Flußarmen abzuzeichnen, obgleich der Boden am Mysius nicht ganz ohne Trübung war, indem ich 3 Rundgrübchen westlich an der Einbeugung des Flußbettes beim Mysius nicht sah, die ich doch zu anderen Zeiten gesehen hatte. - Wenn auch schon in diesem Flußbette kein Wasser mehr rinnt, so kann doch einst in ihm, denn, wenn jetzt der Mond noch zur Hälfte aufgeschwemmtes Land hat, so mußte er einst Meere gehabt haben; und diese konnten wohl unmöglich ohne Flüsse gewesen seyn. - Die Fläche fand ich auch hier durchaus abhängig nach Nord, und nur Täuschung ist es, wenn dort eine hellere Stelle dieses zu gewissen Zeiten zu verneinen scheint.

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aber wegen atmosphärischer Decken nur selten zu sehen bekommt, und die auch Schröter nicht gesehen haben konnte, weil er das am Fuße des Agrippa liegende, fast immer sichtbare, kleine Ringgebirge nicht einmal sah; b) und eben so ist die südliche, bei dem Promontorio Herculei liegende, Kluft mit drei Flußarmen versehen; und endlich sind auch c) im Süden des Lac. mortis, in West des Dionys. Areopag und in Südwest von Hypatia 3 Gebilde, welche mehr den Steppenflüssen ähneln, als Klüften, und noch eher möchte das eine oder andere zu der folgenden Art von Einfurchungen gehören; nichts zu reden von andern, besonders im Oceano procellarum gesehenen, mit Steppenflüßen wohl vergleichbaren, Bildungen.
Zu der dritten Art gehören alle jene höchst seichten, nur mit sehr starken Fernröhren, bei sehr guter Luft unserer Atmosphäre und bei besonderer Heiterkeit der Oberfläche des Mondes sichtbaren und, wie es scheint, gar wenig unter die vegetabilische Decke eingreifenden Einfurchungen auf den Ebenen des Mondes.
Dieser Einfurchungen sind so viele, daß ich noch nicht im Stande war, sie alle aufzuzeichnen, wie ich sie sah, weil sie oft wegen lunarisch und terrestrisch - atmosphärischer Bedeckung unter der Beobachtung wieder verschwinden, und ich kann nur hier derjenigen Erwähnung thun, welche ich öfter als einmal gesehen habe.
So findet sich 1) im Norden des Lacus mortis eine feine, durch eine dunkle Landstrecke nach Nordnordwest gehende, Furche; 2) eine feine Einfur-

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chung im inneren Flächenraume des Posidonius, welcher in Form eines lateinischen T mit einer weitern Furche verbunden, von Südsüdwest kommend, in die alten kleinen Ringgebirge in Nordwest führt; 3) mehrere feine Furchungen am nordöstlichen Fuße der Apenninen, besonders bei dem Lacus trasimenus, wovon eine mehrere Meilen lange Furche von da aus an den südlichen Fuß des Ringgebirges dss Archimedes geht, 4) im Sinus hipponiates (Hev.) eine 12 -15 Meilen lange Furche*), welche vom Fuße des Ringwalles des Erathostenes und den dort niedrigen apenninischen Bergen kommt und, in einem Bogen nach dem Mari Vaporum sich wendend, nahe gegen das selbst eingefurchte westliche Ufer des obigen Sinus hin geht; 5) eine Furche, die von den in Ost des Eratosthonos fortschreitenden apenninischen Hügeln aus gegen den Copernicus bis nahe an dessen Fuß hin sich erstreckt, indem sie bei einer Parthie der in ihrer Mitte ihr begegnenden Reihe von Rundgrübchen die gerade Richtung abändert; 6) mehrere Furchen in der nächsten Umgebung des Copernicus, besonders gegen Norden; 7) eine 16 bis 18 Meilen lange Furche, welche von dem veralteten Stücke eines Rundgebirges im Süden am Eratosthones aus, durch den Dom. maria, bis zum Rheticus fortläuft; 8) die sieben, wie durch holländischen Canälebau zusammen mündenden Furchen, die im Nordost des Agrippa die zwei beim Hyginus


*) Im März 1824 entdeckte ich dazu noch eine zweite. Auch zeigten sich noch mehrere Furchen in Süd und Südost des Archimedes; davon unten das Weitere

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sich findenden Mondklüfte untereinander in Communication setzen*); 9) die 13 bis 16 Meilen vom Molerius oder der Insula Lemnos (Hev.) bis zum Dom. Maria nach Nord ziehende Furche; 10) eine Furche, die, allen Spuren zufolge, von dem westlichen Ende der großen Spalte, welche von Hyginus an gegen West läuft, ausgeht, und am östlichen Ufer beim Dionysius Areopag. gegen die steppenflußähnliche Furche im West der Hypatia sIch hinzieht; 11) eine feine (früher schon von Schröter entdeckte) Furche, welche in Ost von der großen Kluft beim Thebit aus einer großen Grotte hervorkommt und nach Süd bis an den Fluß eines kleinen Ringgebirges sich fortzieht**); 12) zwei feine Furchen, welche die in Süd beim Bulliald liegenden Ringgebirge mit einander und mit dem erstern verbindet, und sogar gegen Nordost an diesem vorbei streicht; 13) die Furchen im Westen des Mersenius, welche die dortigen Flächenabhänge in mehrere Quadrate theilt***); 14) die zwei sehr kleinen Furchen, welche über das Centralgewölbe des Schickard's herabkommen und zu dem dort südwestlich in seiner Ringrinne gelagerten seeähnlichen schwarzen Flecken sich hinziehen.
Diese letzteren Gebilde sind immer in graudunkeln, oder schwarzdunkeln Flecken, oder in Maren zu finden, und sie werden, besonders zur Zeit, da über sie die Sonne auf, oder unter zu gehen pflegt,


*) M.s. die Abbildung. Taf.II. Fig.8.
**) M.s. die Abbild. Taf.II. Fig.3.
***) M.s. die Abbild. Taf.II. Fig.1.


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sichtbar; und ganz besonders merkwürdig ist es, daß zu eben dieser günstigen Zeit diese dunkeln Gefilde sich wie grauer Sammet dem Auge darbieten, wie ich dieses zu gelegenen Zeiten in allen Maren, Buchten etc. mit starken Fernrohren gesehen habe, und welche Ansicht recht contrastirend sich von allen dunkeln Flächen unterscheidet, welche sie geben, wenn sie übernebelt sind, da sie dann keinen Gegenstand deutlich und kleine Vorragungen, z. B. Circellen, entweder wie angeschwollen, oder gar nicht zeigen, die ganze Fläche aber wie mit dünnem Nebel überzogen und fast durchscheinend aussieht; da im Gegentheile in den vom Nebel ganz freien Mondländern (bei guter Erden-Luft) die feinsten sichtbaren Punkte deutlich umschrieben sind, und die scheinbar ebenste Fläche mit hellgrauen Pünktchen in einem dunkleren Felde dicht aneinander stehend angefüllt ist; wie ich dieses (als am 6. Sept. Abends 6 Uhr über die Gefielde des Tob.Mayer - Schröt.-; etwa 25 bis 26° östlicher Länge und 15° nördlicher Breite, Tages Anbruch gewesen, war) mit bestimmten Schatten recht körperlich, deutlich gesehen habe, so daß ich, um die Sache genau zu bezeichnen, in das Buch folgendes einschrieb: "ich sah nordwärts von dem noch nicht auf der Nacht, hervorgekommenen Tob. Mayer, an der Lichtgrenze so Etwas, wie feinen zottigen Sammet; welche Erscheinung nur, ein Palmwald, oder ein Feld voll Riesenfarnkräuter hervorbringen kann, die also wie unsere Urpflanzen gigantischer Art in Sümpfen stehen."

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Ohne nun deshalb gerade das, was ich über dieses höchst merkwürdige Phänomen urtheilend niederschrieb, für mehr, als für eine Wahrscheinlichkeit geben zu wollen, so erhellet doch schon aus allen bisher angeführten Beobachtungen, daß die größtentheils das Ueberwintern leicht zu vertragende Mond-Vegetation, so wie sie große Landesstrecken überdeckt, in allen ihren Gliedern, oder Physiognomien, zum Theil collossal, zum Theil wieder zwergartig, Stauden- und kraut-artig beschaffen seyn müsse, wie bei uns auf der Erde; sonst wäre es nicht möglich, daß nicht wenigstens eine einzige dieser Furchen, wie dieses sehr oft mit den Wänden der Klüfte der Fall ist, ihren Boden mit einem hellen Lichte hätte zeigen müssen, so daß man also anzunehmen gezwungen ist, daß dieser Boden des Mondes auch mit Kräutern bewachsen, oder mit Dammerde bedeckt ist, weil er gar keine hellere Farbe erblicken läßt.
Dem Augenmaße zufolge, haben die Furchen der letztern, dritten Art eine Tiefe, die von dreißig bis achtzig Fuß wechselt, und sie sind gewöhnlich, an den dunkelsten und tiefsten Stellen, welche nicht selten den holländischen Polders ähneln, auch am tiefsten, und verlieren allmälig alle Tiefe, so wie sie bergan steigen welche aber wieder erscheint, sobald die Furche neuerdings in die Tiefe kommt und darin fortläuft.
Wenn man nun betrachtet, daß diese Furchungen überall an gewissen Orte, z.B. zu Anhöhen, zu Meeren, ja von Berg zu Berg, und von Meer zu Meer führen, daß sie auf die Art wie unsere Ca-

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näle, angelegt sind, und daß sie nach allen Umständen nichts Anderes seyn können, als was man bei uns Geräumte (Wald-Alleen) nennt, so bleibt uns Nichts übrig, als anzunehmen, daß sie durch thierische Wesen, wenigstens von so hoher Stufe hervorgebracht sind, daß sie dabei in allen Gegenden, welche sie zu bereisen gezwungen waren, sich haben orientiren können.
Vorausgesetzt also, diese Geräumte seyen von bloßen Thieren hervorgebracht, so müssen sie nicht allein von pflanzenfressender, sondern auch von gigantischer Art seyn, so, daß sie ganze Aeste und junge Bäume abreissen und verzehren; wie dieses die nordamerikanischen Wilden von dem großen Schwein, welches, ihrer Beschreibung nach, nur unser Mammuth gewesen seyn konnte, traditionell aussagen.
Solchergestalt, und auch in Ansehung Dessen, daß in solchen Geräumten die beschattete Luft dichter ist, und daß ohne Zweifel die Wälder des Mondes ausser diesem gar keine erhebliche Reise genauen, wird man gar leicht einsehen, warum ich zur Erörterung der wahrscheinlichen Ausdehnung animalischer Wesen auf der Mondoberfläche auch die Klüfte und Flußbetten exponiren mußte, die allerwenigstens, sofern sie durch Waldregionen gehen, den wandernden Thieren wohl manchen bequemen Fußsteig, manchen schützenden Aufenthalt in Höhlen und manchen guten Trank Wassers geben werden.
Somit sind wir denn auch im Stande, unter der Voraussetzung, daß alle Geräumte durch ani-

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animalische Wesen hervorgebracht worden, anzugeben, wie weit die Spuren derselben auf dem Monde gehe; ganz abgesehen von ihrer allenfalsigen Verstandesstufe. Die Spuren, animalischer Wesen gehen auf dem Monde von 50° nördlicher Breite bis 37°, vielleicht bis 47° südlicher Breite.

Dritte Abtheilung.
Kunstspuren auf der diessseitigen Oberfläche des Mondes.

Sobald man unsern Augen und Fernröhren nicht das Unmögliche verlangt, so wird das, was mir diese geleistet haben*), wenn es der Verstand bearbeitet, immer so viel Ausbeute liefern, daß auch der Unbilligste kaum mehr erwarten könnte. Somit wird es, ohne nothwendig sogleich ein anderes Kunstwerk zu exponiren die so eben erwähnten Geräumte in nähere Betrachtung zu ziehen, schon hinreichen, uns vorläufig von Kunstwerken im Monde zu überzeugen.


*) Fernröhre der größten Art, die eine Summe von 5000 bis 20,000 Gulden kosten, konnte ich nicht anwenden. Unter meinen drei Fraunhofer´schen Fernröhren von 18, von 30 und von 60 Zoll Brennweite hat das größte 4 Pariser-Zoll Oeffnung. Größere Instrumente brauchen viele Mühe, oder kostbare Gebäude, um sie schnell aufzustellen und verlangen äußerst gute (reine, ruhige) Luft, um damit gut zu sehen. Und so habe ich durch großen Fleiß und treffliche Sehorgane schon mit dem 30zolligen Tubus ganz unverhoffte Dinge am Himmel gesehen. (man vergl. Astr. Jahrb. für 1814. S. 107.)

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A. Geräumte, als Kunststraßen im Monde.

1) Diese Geräumte sind entweder vollkommen in gerader Linie, oder in einer regelmäßigen Bogenkrümmung, wie die antiken Straßen der römischen oder griechischen Colonien, angelegt.

Auch die Thiere bringen, wenn sie in großer Zahl immerfort denselben Weg wandeln, gewisse Straßen zu Stande, so z. B. die Ameisen, so das Hornvieh in den Wäldern, besonders in den gebirgigen; allein die Richtung derselben richtet sich genau nach der Leichtigkeit der Wanderschaft im Anfange, so daß jedes Hinderniß, das umgangen werden muß, die Richtung plötzlich abändert*). Selbst die Menschen bilden durch Gehen in Wäldern und Gebirgen ganz unregelmäßig und vielartig gekrümmte, Fußsteige, und selbst im ebenen Lande weichen sie den geringsten Hindernissen (einem Acker, einem Sumpf, einem Hügelchen, einem tiefem Grase, einem Sandboden) aus.
Thiere werden daher um so weniger ganz gerade Straßen anlegen, oder werden ihre Wandersteige nie in sanften regelmäßigen Bogenkrümmungen fortführen.


*) Gerade fortwandelnde Thiere (z.B.Krabben), die alljährliche Züge machen, sind, aus vielen Ursachen, nicht im Stande, eine Spur hinter sich zu lassen.

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So Etwas setzt Zweckvorstellung und den festen Willen voraus, durch saure Mühe in der Gegenwart sich eine möglichst angenehme Zukunft zu gründen. Die Menge der, wie- Gitterwerk unter einander verbundenen; Geräumte, wodurch auch die zwei vom Schröter beim Hyginus entdeckten großen Klüfte verbunden sind, mögen hier, statt aller, als Beispiel dienen*), und zum Beweise, daß Unebenheiten die fortlaufende Richtung gar nicht abändern, mögen die Geräumte in West des Mersenius gelten**).

2) Diese Straßen sind vollkommen zweckmäßig angelegt, dadurch, daß sie den nächsten Weg, und zu bestimmten Stationen, so wie von einem großen fruchtbaren Theil (Mare) der Mondfläche zum andern führen.

Daß man sich bei Anlegung gerader, durch große Waldgegenden gerader, Straßen bewußt seyn müsse, daß unter allen Wegen zwischen zwei Punkten der gerade der kürzeste ist und daß man nur auf geraden Geräumten die weiteste Aussicht hat, setzen Zweckvorstellungen voraus: die bei Thieren nie zur Klarheit, kommen.
Bei kurzen Wegen sind die bestimmten Stationen Gebirge, zu denen sie gehen***). Weiter gehende Straßen sind aus künstlichen Geräumten und


*) Man sehe die Abbildung Raf. II. Fig. 8.
**) M. s. die Abbildung Taf. II. Fig. 1.
***) Davon unten das Weitere.


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langen Klüften, oder Flußbetten-ähnlichen Gebilden zusammengesetzt, oder es muß der Fuß mehr oder minder steiler Gebirge oder Hügel dazu helfen die Straße fortzuführen. In dieser Rücksicht lassen sich die itinerarischen Verbindungen aller großen Maren mit einander finden, sofern sie 30° nördlicher und südlicher Breite vom Aequator entfernt noch von mir angetroffen worden sind; wobei aber zu bemerken ist, daß durch manchen Umstand eine kleine Strecke hin die Straße dem Auge nicht sichtbar bleibt, und da also (wie es unsere Geographen mit den Flüssen oft thun) bloß durch Vermuthung ersetzt werden muß.
So verbindet sich 1) das Mare nubium mit dem Mari humorum deutlich durch die oben (Nro.1.) bei den Klüften angedeutete Kluft, indem sie, von West kommend, zuerst durch den Sinus epidemiarium geht und in der Gegend des Campanus und Capuanus sich geräumteartig verliert, aber hier nun gar nicht weit vom nördlichen Ende jener 3-4 sehr langen Spalten entfernt ist, die (m. s. o. Nro. 2. der Spalten) das westliche Gränzgebirge des Maris humorum begleiten, zu welchem Mare viele Lücken führen. 2) Das Mare Humorum aber verbindet sich durch die Spalte (s. oben b. d. Klüften Nro. 6.), welche vom Mersenius bis zum Oceano procellarum führt, mit eben diesem. 3) Das Mare nubium und der nördliche Theil des Oceani procellarum verbinden sich a) mit dem südlichen Theile des letztern ununterbrochen durch das Geräumte, welches von der Insula Lemnos (Hev.) zum Dom. Maria geht, und nun hier mit dem vom Erathostenes kommenden Geräumte zusammenstößt

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(s. oben bei den Geräumten Nro. 7 u. 9.); also an den südlichen Theil der südlichen Vorgebirge dieses Ringgebirges geht, und ob man gleich hier die Spur verliert so versehen doch die steilen Abhänge dieser Vorgebirge den Schutz gegen kalte Winde etc., so wie im Norden der Apenninen die äußerst fruchtbaren Gefilde des Eratosthenes an gegen Westen, von Schröter und mir, Bergadern, und verschiedene Strecken hin nicht undeutliche Geräumte gesehen wurden, die sich beim Conon und Aratus, besonders im Lacus trasimenus (s.) oben ebend. Nro.3.) recht deutlich entwickeln; gleicherweise verbindet sich b) der westliche Theil des Oceani procellarum mit dem östlichen Theile desselben dadurch, daß, vom östlichen Vorgebirge des Eratosthenes an, ein Geräumte nach dem Fuß des Ringgebirges des Copernicus abgeht; denn von hier aus gehen, nach Schröters und meinen Beobachtungen, viele Furchen zum westlichen Theile der Umgebung Keplers. 4) Vom Mari imbrium an kann sich gar leicht durch mehrere natürliche Einfurchungen von der Südseite des Plato und Cassini (Schr.).her, und auch Vom Lacus trasimenus aus, durch die Cascade beim Autolycus eine itinerarische Verbindung zwischen dem Oceano procellarum und Mari imbrium und zwischen dem Mari Serenitatis gebildet haben, die an dem Abhange, welchen die Ebene im Norden des Gebirgszug vom Byzantium (Hev.) macht*), bis in


*) Die Abbildung dieses Abhanges findet sich in den Charten in Nro. 1. Rechts von unten herauf nach Links hin fast durch Spalten und in Nro. 2. durch den Unterschied [weiter auf FvPG1824-031] zwischen mehr und minder grau im XI. Bande, Abth. 2. S. 602-605, der Verhandlungen der Kaiserl. Akad. der Naturf. zu Bonn.

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die Gegend des Plinius sich fort erstrecken kann. 5) Die itinerarische Communication zwischen dem Mari Serenitatis und dem Mari tranquillitatis ist leicht durch die Spalte aufzuweisen, welche im West des Plinius (s. oben b. d. Klüften Nro.8.) über die dortige (ehemalige) Cascade herab geht. 6) Das Mare tranquillitatis communicirt itinerarisch ohne Zweifel mit dem Mari vaporum durch die bekannten zwei Schröterschen Spalten am Hyginus; es communicirt sogar mit dem Mari nectaris durch die Furchungen und Geräumte am Dion. Areop. und Hypatia recht auffällig; und leicht ist es möglich daß die Spalten (s. oben Flußarme Nro.2 Lit.b) und Flußarme am Promotorio Herculei itinearisch mit dem Crisischen Meere durch die fruchtbaren Gefilde um den Firmicus communiciren. 7) eine itinerarische Communication des Maris Imbrium mit dem Sinus hipponiates entsteht durch das krumme Geräumte*), welches von der Nordwestseite des Eratosthones in diesen Sinus weit hinein sich erstreckt und an den schützenden Gebirgshöhen, welche westlich diesen Sinus vom Mari Vaporum trennen, vielleicht in dieses fortführt. 8) Ohne Zweifel führte ehemals aus dem Pal. nimborum, oder Oceano procellarum, entweder durch den Mondfleck Schröter, oder durch den südwestlichen Theil des Sinus aestuum, oder *) Eine Beobachtung giebt 2 solcher Geräumte an. (S. unter D. Nro. 2. Lit.d.V.).

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durch beide, über, die Anhöhen, welche zum Ursprunge meines Flußbettes am Mysius (Hev.) einen Paß gewähren, hin, und von da, durch dieses Bette, führt ja ein leichter Weg vollends in das Mare Vaporum. Allein jetzt wohl kaum mehr, wenigstens nicht mehr mit der in frühen Zeiten vorauszusagenden Leichtigkeit, da seit Hevel und Riccioli der Sinus aestuum, oder medius, am südwestlichen Theile so sehr abgebleicht ist, daß da vermuthlich allmählig alle Vegetation ausstirbt und also für Straßen weniger tauglich geworden seyn muß, denn dieses Stück Mondlandes welches freilich etwas hoch liegt, war zu Hevels Zeit so sehr dunkel, daß dieser Astronom es sogar mit Mare Adriaticum bezeichnete, von welchem nun nichts mehr auffallend dunkel ist, als der Flecken Schröter.

3) Solche große, zum Theile nur mit unglaublichem Aufwand von Arbeit hervorgebrachte, itinerarische Kunstwerke, sind ohne Civilisation der Seleniten ganz unmöglich.

Der uncivilisirte Mensch (wenigstens der auf unserer Erde) läßt sich seine eigenliebische Meinung so wenig, als die Wahl, in eigenen Angelegenheiten zu handeln, nicht rauben. Nur Jener, welcher alle Vortheile der Civilisation zu berechnen vermag, oder sich von denselben durch Erfahrung überzeugte, fügt sich auch in das Commando eines Straßenbaudirektors, durch welchen allein die Einheit und Regelmäßigkeit eines itinerarischen Kunstwerkes zu Stande kommt. Wer den Eigensinn und

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die Stupidität der wilden Völker in solchen Sachen des Gemeinwesens kennt, bedarf über den aufgestellten Satz nur noch bloß die Anregung der einzigen alltäglichen Erfahrung: daß da, wo die Zivilisation am höchsten steigt, die Vollkommenheit der Straßen damit gleichen Schritt hält. Diese bereits angeführten Straßen im Monde sind es bei weitem nicht alle, welche andere Beobachter mit mehrmals größern Fernrohren*), wie sie jetzt im Frauenhofer´schen Institute verfertigt werden, noch sehen werden, jene aber auch hier mitgerechnet, welche wegen Schiefheit der Lage in Ost und West, oder wegen vorliegender Anhöhen und Berge nicht gesehen werden können. Uebrigens gebe ich die Hoffnung nicht auf, auch noch Seleniten zu sehen, jedoch gewiß nicht einzeln, sondern, wenn sie in Masse durch die Geräumte ziehen. Denn, wenn die Linie einer Straße unterbrochen ist, durch zwei sich gegeneinander bewegende Farbabsätze die sich vereinen und wieder trennen, und sich immer weiter von einander entfernen, so waren dies Seleniten und nichts anderes**).


*) In der Schärfe des Sehvermögens kam mir bisher nur ein, jetzt nicht mehr lebender, Anverwandter gleich; in der Regel ist für einen Dritten ein doppelt so starkes Fernrohr nöthig, um so fein und so viel zu sehen, als ich sehe, besonders, seitdem ich, auf Diätische Veranlassung, meine Augen vor Staub und Luftzug schütze.
**) Ein einzelner solcher Absatz könnte eine Wolke seyn, allein, wenn 2 Caravanen sich begegnen, so kann es nicht trügen. Am 16. October 1813 früh halb 6 Uhr sah ich im Süden jener tiefen runden Grube, durch welche die östliche Schröter´sche Kluft am Hyginus geht, [weiter auf FvPG1824-034] einen runden, dunkelgrauen Flecken, durch welchen ein Geräumte mit einem solchen andersfarbigen Absatze gieng; aber ich habe auf keine Bewegung desselben Acht gegeben. Seitdem habe ich dieses Geräumte nicht mehr gesehen; ist es derweil mit Nebel angefüllt gewesen, oder hat man es verwachsen lassen?


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B. Collosaler, unsern Städten nicht unähnlicher, Bau im Monde.

Es war am 12. Julius Morgens nach halb vier Uhr, im Jahre 1822, als kurz nach dem letzten Viertel die Lichtgränze über den westlichen Rand des Clavius, des Mondflecken Schröters und des Newton (Schr.) gieng, da ich zum erstenmale in der westlichen Hälfte des oben erwähnten dunkeln Mondflecken Schröters mit 90maliger Vergrößerung meines ausnehmend guten Frauenofer´schen Tubus von 29 Linien Oeffnung und 30 Zoll Brennweite sah, was Schröter und Herschel, mit ihren Riesenteleskopen nicht gesehen haben. Zur Zeit dieser meiner Entdeckung war noch obendrein die Luft so wenig ruhig, daß ich meinen fünffüßigen Achromat nicht anwenden konnte, um das Ganze deutlich übersehen, und davon eine Zeichnung aufnehmen zu können; zudem war ich zu diesem Geschäfte von der Wichtigkeit der Entdeckung zu sehr ergriffen.
Erst am 23. Oct. 1822, Abends 6 Uhr, als die Lichtgränze mitten durch Plato, Eratosthenes und Clavius gieng beim ersten Viertel die Schatten gegen Ost sich wandten, der Flecken Schröters an der Lichtgrenze stand, der Nordpol seyn Horn westlich

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und der Südpol es um einige Grade östlich hatte, waren alle Umstände so, um durch den großen Tubus alles Einzelne in diesem colossalen Kunstwerke deutlich wahrzunehmen und durch den 30 zölligen Tubus mit 90 maliger Vergrößerung abzuzeichnen*); denn mit 272maliger Vergrößerung (die das Detail ganz gab) flog im großen Tubus der Gegenstand nur so durch das Feld, und er konnte nur zur Berichtigung schwieriger Merkmale dienen. Seitdem habe ich diesen merkwürdigen Bau mehrmal gesehen und dabei die Abbildung revidirt; aber ich fand, kleine durch Zeit und Libration gebrachte Schattenunterschiede abgerechnet, ihn immer mit der Zeichnung übereinstimmend. Es zeigt sich dieses plastische Werk nicht bloß an der Lichtgrenze in dieser Gestalt, sondern auch zu andern Zeiten; denn am 9. Febr. 1824, Abends 6 Uhr, als Heraclides falsus an, und Lansbergius und Blancanus in der Lichtgränze standen (letztere also, bereits 20° davon sich entfernt hatte), sah ich, mit 90 mal. Vergr. des 30 zolligen Tubus und bei trüblicher Luft, dennoch alle erhabenen Wälle mit etwas hellerm Schatten vorragen. Und es zeigen diese Beobachtungen genugsam, daß, da ich zur Zeit des ersten, und letzten Viertels und zwischendurch mehrmal hier immer wieder Dasselbe gesehen hatte**), dieses kein Trugbild sein könne.


*) Man s. die Abbildung Fig.6.
**) Ohne Zweifel würde ich dieses wunderbare Werk übersehen haben, hätte ich nicht schon von Jugend an diesen dunklen Flecken für den bewohnten Theil des [weiter auf FvPG1824-036] Mondes angesehen und meiner besonderen Aufmerksamkeit werth gehalten (man s. S. 111. meiner Abh. über Naturforschung)


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Dieses Kunstmonument befindet sich im 8° der östlichen selenographischen Länge, und im 6ten Grad der nördlichen Breite und macht das westliche Dritttheil des oben bereits erörterten Mondflecken Schröters aus*). Es soll in folgenden Nummern näher beschrieben und erörtert werden.

1) Dieses ungewöhnliche Mondgebilde fällt jedem geübten Auge, mit dem ersten Blicke sogleich, als Kunstwerk auf.

Ich habe mich sorgfältig gehütet, der Zeichnung keinen stärkern Kunstanstrich zugeben, als die natürliche Ansicht des Originals ihr gibt, so wie in allen meinen Zeichnung kein Schattenstrich und kein Punkt ist, den ich nicht gesehen habe. - Bei der ersten natürlichen Ansichtigwerdung dieses Gegenstandes wähnte ich, von großer Höhe eines steilen Berges herab, bei trüber Luft, die Vogelperspektive einer Stadt vor mir zu haben, und mein erster Ausruf war: O Schröter, da ist´s, was du immer vergeben suchtest. Man sey so erfinderisch, als man wolle, man wird es nie wahrscheinlich machen können, daß


*) Man sehe die Abbildung, welche die Einrichtung hat, daß sie im kleinen Style gezeichnet ist und durch eine eigene Einfassung die Lage und den Umfang des Kärtchens der Stadt selbst zeigt.

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die Natur die Mittel hat, für sich allein eine solche Bildung hervorzubringen. Krystalldrusen von 5 geographischen Meilen kann sie wohl auf dem Monde nicht produciren, da auf der Erde Krystalle von 5 Fuß schon ein großes Wunder sind (wenn man nicht etwa Stalaktiten dafür halten will).
Allein ein Termitenbau könnte es doch seyn? Allerdings lassen sich riesenartige, flügellose Insekten mit ihren Kunsttrieben im Monde annehmen. Allein haben sie auch Menschenverstand? Daß dieses mit Nein beantwortet werden muß, wird sich aus dem Folgenden ergeben.

2) Es hat von Ost nach West und von Nord nach Süd, soweit daran die Kunst merklich ist, einen Durchmesser von wenigstens fünf geographischen Meilen.

Soll dieses Kunstwerk zur Verhöhnung unserer Pyramiden da seyn? - Wenn die Mondbewohner so gute Fernröhre besitzen als wir, so müssen sie doch die chinesische Mauer gesehen haben, welche auch nicht ärmlicher aussieht, als wäre sie von Mondbewohnern gebaut.
Allerdings ist es viel leichter, auf dem Monde colossale Kunstgebäude anzulegen, als auf der Erde, da dort die Körper 54 mal leichter sind, weshalb sie aufeinander keinen so starken Druck ausüben, und viel leichter zu behandeln seyn müssen.

3) Es befindet sich beinahe in der tiefsten, dunkelsten Landschaft des Mon-

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des, ist selbst fast so dunkel als dessen Umgebung im Osten, und liegt in der Nähe des Aequators; daher es sammt der ganzen Umgegend alle Erfordernisse zu einer aussergewöhnlichen Fruchtbarkeit hat.
Eine barometrisch tief liegende dunkle Landschaft gehört allemal zu denen, welche am wenigsten ausgetrocknet sind. Hat sie nun auch ihre Lage in einem warmen Klima, so kann darin die besondere Fruchtbarkeit nicht fehlen. Da aber die Oberfläche dieses Kunstwerkes selbst beinahe so dunkel ist, als dessen Umgebung, so schließen wir, daß auch die Decke, oder das Dach desselben mit Vegetabilien bewachsen sey, und aus demselben Boden, wie die Oberfläche der Umgegend, bestehe.
Da es nun aber in der fruchtreichsten Gegend sich befindet und diesemnach dessen Dach selbst zu Vegetabilien benutzt ist, so kann man schon hieraus schließen, daß dieses Gebäude zu Wohnungen diene. Diese Wohnungen dürften also in unterirdischen Gewölben bestehen, die mit dem dortigen Stoff des Bodens überschüttet wurden.
Es ist von mir schon früher gezeigt worden*), daß sich der Mondbewohner bei seinen außerordentlich kalten Wintern und eben so heissen Sommern nur mit der troglodytischen Lebensart durchhelfen


*) M. s. B. II. Abth. 2. S. 668-672 der oben citirten academischen Verhandlungen.

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könne, und so fänden wir hier blos civilisirte Höhlenbewohner, und das Ganze stellte, der Ausdehnung nach, eine ungeheure Stadt vor; eine Sache, die nun bald noch einleuchtender werden wird.

4) Das ganze Gebäude ist genau nach den Weltgegenden angelegt.

Diese Eigenschaft haben auch unsere ägyptischen Pyramiden u. dgl. mit diesem Mondbauwerken gemein. Es hält der mittlere Zug dieses Gebäudes, so viel das Augenmaaß dabei bestimmen kann, sich in der Richtung von Süd nach Nord und also im Meridian der mittleren Schwankung der Mondachse.

5) Doch geht die Richtung der Seitenzüge desselben nicht nach Ost oder West, sondern genau nach Südost und nach Südwest.

Die Ursache hievon läßt sich zwar nicht einsehen, allein so viel ist gewiß, daß auch diese den Weltgegenden zulieb so angelegt sind; und dieses Verhältniß schließt daher jede Einmischung einer Erklärung durch Elektromagnetismus aus.

6) Der von Süd nach Nord gehende, einen ungeheueren geraden Wall vorstellende, Mittel, oder Stamm-Zug, und noch mehr der von Südost nach Nordwest sich richtende, die westlichen Seitenzüge einschließende Wall, ist vollkommen geeignet, den dort von der ausgedehnten Gebirgshöhe aus

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Südwest kommenden kalten Passatwind*) zu brechen.

Der Mondbewohner hat nichts stärker zu scheuen, als einen kalten, wenn auch gleich noch so sanften, Wind, der ihm seine Abende eher rauh und kalt macht, und auch seine Morgen gar sehr verbittert, wenn diese anfangen warm und angenehm zu werden; um so mehr, da die Mondluft so dünne und so sehr wärmeleitend ist. Orte also, die diesen Wind abhalten, werden die angenehmsten seyn; und so kommt es, daß auch die kleinen Ringgebirge nicht undeutliche Spuren von Bewohntheit in ihrem Innern tragen; wovon nachher noch Mehreres vorkommen wird. Deshalb können wir wohl vermuthen, es sey aus dieser Ursache jener schiefe Wall angelegt worden.

7) Die Hauptzüge dieses Gebäudes sind mathematisch regulär, in Winkeln von 45° und 90° gestellt.

In dieser Hinsicht können wir den Baumeistern dieses großen Werkes doch einige Bildung nicht absprechen. Freilich mochte der Zweck diese mathematische Einteilung fordern. Dieser aber konnte vorzüglich auf genügende und gesunde Ventilation gehen; imgleichen auf genaue polizeiliche Aufsicht der Einwohner, wenn man sich durch alle diese Züge ununterbrochene communicirende Gewölbe


*) Auf der diesseitigen Mondoberfläche verhält sich, wegen des Einströmens schwerer Luft aus Süden und wegen der Achsendrehung des Mondes von Ost nach West, der Südwest-Passat wie unser Südost-Passat.

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denkt, anderer Verhältnisse daselbst, die wir noch weniger kennen, nicht zu gedenken.

8) Gegen Ost und Südost hin ist dieses architectonische Ganze allenthalben geöffnet und die beiden, durch einen Kunstwall unter sich verbundenen, großen Berghügel in Nord und Nordwest scheinen mit jenem nicht zusammen zu hängen.

Dieses Offenseyn geht so weit, daß sogar in dem einzigen, in Ost sich findenden, unter einem ähnlichen Winkel wie in West sich schliessenden Hof eine Lücke von der Gegend geht, wohin der große Bergschatten fällt. Indessen ist auf der Ostseite nicht Alles so rein regelmäßig, wie auf der Westseite, und man könnte diese Abtheilung, nach der Analogie unserer Städte, die alte Stadt nennen. Jedoch sind alle Züge dieser Seite mittelbar oder unmittelbar mit dem mittleren Hauptzug genau verbunden.

9) Das sternschanzenartige Gebilde auf der Nordostseite weicht ganz von der hier sich als normal zeigenden Bildung ab, ist indessen doch mittelbar mit dem Ganzen in ununterbrochener Communication. Eine eigentliche Schanze nach unserer Art ist dieser besondere Theil gewiß nicht und wir befinden uns hierüber in dem weiten Reiche der Vermuthungen, in welchem ich nun sogleich eine wagen will.

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Wenn wir nämlich voraussetzen, daß das Ganze dieses Gebäudes im Innern mit Gewölben in ununterbrochener Communication steht, so ist dasselbe auch mit diesem besondern Gebäude der Fall. Da wir nun, wenigstens dem Vorhergehenden gemäß, gezwungen sind, den verständigen Seleniten einige Civilisation zuzugestehen, so müssen wir wohl auch bei ihnen religiöse Bildung vermuthen. Unser sternähnliches Gebilde scheint also eine Art Tempel, und, weil er sternförmig angelegt ist, vielleicht dem Sterndienste geweiht zu seyn; mag dieses um so wahrscheinlicher folgen, als man dort, wegen Reinheit der Luft, am hellen Tage die Sterne*) leicht sehen kann.


*) Die vor den Mond scheinbar hingeheftete Erde aber halten die Seleniten gewiß für eine von Gott ihnen erschaffene Uhr, von welcher Hevel Folgendes sagt: Selenitae, in terra aeque maculos et quidem mulio plures et grandiores, quam nos in luna possunt numerae (Selenographia p. 297).
"Primus fructus motus Macularum terrae, facit ad cognoscendum diuturnum spatium 24 horarum".
Auf die Frage, wie die Seleniten sich in die Zeiteintheilung ihrer langen Nächte finden, sagt Hevel: Ad hoc respondeo, quod durationem noctis, ex phasibus terrenis illis quoddam modo liceat colligere (p.300). "Secundum fructus motus macularum terrenarum, est cognitio longitudinis locorum" (p.301).
In Ansehnung anderer Epochen sagt er: Selenitae (sive sint, sic non sint) habent sua Aequinoctia et Solstitia (p.295).
"Selenitae habent suas Eclipses terrae et Solis" (p.294).


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10) Im Süden dieses Kunstgebäudes, und gleich dabei am südlichen letzten Wallzuge, so wie im Westen, aussen an den zwei großen Hügeln, befindet sich jedesmal ein, mit einer tief eingesenkten Centralfläche versehener, Ringwall. Alle diese natürlichen Gegenstände zeichnen sich theils durch ein zufälliges Verändertseyn, theils durch periodische Veränderungen aus, und deuten damit auf Wirkungen der Willkühr.

Sollte sich dereinst die Veränderungsart dieser Gegenstände näher bestimmen lassen, so dürfte es wahrscheinlich werden, daß des erstern, eine halbe Meile im Durchmesser haltende, gegen den Vollmond fast schwarzgrau werdende, Centralfläche von den Seleniten als ein windstiller Erholungsplatz und Garten benutzt, der benachbarte, fast unkenntlich gemachte Ringwall dem Gebäude einverleibt wurde, und daß im letztern Verrichtungen geschehen, welche die Entwicklung von Rauch, oder Dampf zur Folge haben. In Ansehung des letztern Umstandes ist es doch sonderbar, daß ich, als ich zum ersten Male bei Sonnen-Untergang dieses architektonische Werk; erblickte*), an mehrern Stellen über demselben körperliche Gestalten sah, welche den Dom-Kuppeln sehr ähnlich schienen, und daß ich hievon später


*) S. oben Abth.III. Lit.B.

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nicht das Allergeringste mehr aufspüren konnte. Sollten nicht auch diese vermeintlichen Dom-Dächer nur bloßer Hauch, oder Dampf gewesen seyn? Wir werden später auf Erscheinungen kommen, die dieses oben Gesagte eher bestätigen, als widerlegen dürften; woraus es dringend wahrscheinlich wird, daß die Mondoberfläche auch gegenwärtig von verständigen Einwohnern noch bewohnt ist.

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Entdeckung vieler deutlicher

Spuren der Mondbewohner etc.;


vom

Franz von Paula Gruithuisen etc.

(Fortsetzung der im I. B. S. 171. dieses Archivs abgebrochenen Abhandlung).


C. Spuren von periodischer Cultur des Bodens auf der Mondoberfläche.

Schröter hat zwar aus seinen mühsamen Beobachtungen des Cleomedes*) darthun wollen, daß durch die nach dem Neumonde so oft gesehenen "falschen" Schatten**) und durch die scheinbaren


*) Selenotopogr. Fragm. B. I. S. 494. §. 398. bis S. 516. §. 418.; B. II. S. 269. §. 839 bis 272. §. 842.
**) Das vierfußige Herschel´sche Teleskop Schröters war nicht hinreichend, diese "falschen Schatten" als wahre vollkommen zu erkennen; daher ich mir viele Mühe gegeben habe, sie zu enträtseln, was mir auch geglückt ist, und zwar ganz allein mit meinem 30zolligen Tubus.


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Gestaltänderungen der darin sich findenden einfachen Hügel in Circellen*), man berechtigt wäre, auf vulcanische Eruptionen zu schließen, deren es auf dem Monde, vielleicht so lange er die Erde begleitet, nie gab**). Allein desto größeren Werth haben seine, übrigens auch mit einem schwachen


*) Auch bei diesen ändert, wie ich gefunden habe, die Schwankung des Mondes und unsere oft trübe Atmosphäre scheinbar die Circellen in Hügel um.
**) Diese meine Ueberzeugung wird von Tag zu Tag mehr befestigt, daß nämlich im Monde, so weit er seine Oberfläche uns darbietet, durchaus nicht die geringste Spur von Vulcanität zu finden sey, und daß es im höchsten Grade absurd wäre (wie dieses Aepinus und Andere gethan haben), die Ringgebirge, welche von 12 - 50 deutschen Meilen und darüber im Durchmesser halten, für Krateröffnungen zu erklären, aus denen der Mond seinen ganzen Inhalt hätte ausspeien müssen, und man gleich wohl neben ihnen nicht die mindeste Spur von etwas ausgespienem, z. B. Lava u. dgl. antreffen kann (m. vergl. was ich im 5ten B. Lief. 1. S. 121 der neuen Jahrbücher der Berg- und Hüttenkunde des Frhrn. v. Moll gesagt habe). Wo die Schwere zu gering ist, als daß sie in großen Tiefen die atmosphärische Luft zur salpetrigen Säure verdichtet, entstehen auch, selbst beim Zutritte von Wasser, keine solche chemischen Prozesse, welche im Stande sind, vulcanische Wirkungen hervorzubringen. - Wohl weiß ich, daß man auch aus spitzigen Bergen im Monde Vulcane machen wollte; allein dieses thaten nur Jene, die ich bei sehr guter Atmosphäre der Erde und mit sehr starken, präzisen Fernröhren nicht gesehen habe; denn alle diese Berge haben sehr deutliche und zum Theile scharfe, gerade Kanten, was bei Vulcanen nie der Fall ist, und durchaus entdeckt man weder bei denselben Lava, noch an ihnen eine Krateröffnung, noch Zuckerhutgestalt.


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Teleskope leicht zu machenden vielfältigen Beobachtungen, welche beweisen: daß die Ringfläche des Cleomedes im Ganzen sich immer dunkler zeigt, je länger sie von der hoch über ihr stehenden Sonne beschienen wird, und daß, wenn einzelne noch dunklere Flecken in der Ringfläche erscheinen, sie sich progressiv eben so verhalten. Dieses für den Cleomedes ausgesprochene Gesetz kann für die übrige, mehr ebene, niedrige, sich eben so progressiv am Tage verdunkelnde Mondoberfläche gelten, wenn man jene schon oben erwähnten, beständig schwarzdunkel bleibenden, Flecken ausnimmt; denn sie erscheinen in allen wärmern Zonen zuerst und immer später in den nicht so warmen.
Indessen kommen in diesen progressiven Farbverdunkelungen sonst noch gar sonderbare Abänderungen vor, so daß sie nur allein aus Wirkungen der Willkühr hinlänglich erklärlich sind.
Unter allen diesen Daten ließe sich der einzige Umstand vielleicht aus einer Naturwirkung erklären, daß nämlich darum manche Flecke außergewöhnlich frühe sich verdunkeln, weil es gewiß ist, daß die Wolken und Nebel, welche sich auf dem Boden des Mondes bald hie bald dort ausbreiten, ihn warm halten, damit das, was wachsen sollte, viel eher damit anfangen könne, als an andern Theilen der Mondoberfläche. Oder ist auch hier das von Schröter schon in Anregung gekommene

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Moorbrennen, Behufs der Einsaat*), mit ähnlichen Erscheinungen zu parallelisiren? Manche Pflanze, z. B. Kresse**), würde unter diesen Umständen auch im Monde aufgehen***), blühen und Früchte tragen, aus welchen letztern ein sehr gutes Oel bereitet werden kann. Indessen sind auch diese, verhältlich zu früh


*) M. s. Schröter´s selenotopographische Fragmente. Gött. 1802. §. 831. S. 260. im II. Bande
**) Lepidium Sativum. In dem Bande V. Abth. 2. der Verhandlungen der Naturf. zu Bonn habe ich mehrere Pflanzengattungen der Erde genannt, die vielleicht für den Mond passen dürften, aber dort, so wie sie hier gestaltet sind, nicht existiren, wegen ganz anderer Atmosphäre und Schwereäußerung. Es würde besser seyn, hier bloß solche zu nennen, welche sich auf die Tiefen des Bodens verlassen können, z. B. einige Zwiebelgewächse u. dgl. So wachsen 2 Arten Lauch in den Schweizeralpen (Allium victorialis und moly). Ueberhaupt scheint es, daß Bäume im Monde sehr schnell reifende Früctue tragen müßten, darauf man bei uns noch so wenig reflektirte, daß es sehr schwer, aber verdienstlich seyn würde, die am schnellsten reifenden Pflanzenfrüchte aufzureihen, und doch giebt es davon nicht wenige, welche bei solcher Hitze, wie sie nach der Mitte des Tages im Monde gewöhnlich ist, reife Früchte bringen würden, wenn sie sonst dorthin paßten.
***) Wenn man auf den Umstand reflecktirt, daß manche Pflanzen, wenn sie eben aus dem Samen aufkeimen, eine andere Farbe haben, als eine grüne, so kann ich nicht unbemerkt lassen, daß ich die Stelle, welche in Nordost des Promontorii arictis immer sehr dunkelgrau wird; einmal, als die Sonne darüber 6 - 8 Stunden geschienen hatte, bräunlichgrau sah. Ob diese Farbe nicht vielmehr von einer Art Nebel herrührt, müssen fernere Beobachtungen lehren.


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erscheinenden, dunkeln Flecke, z. B. in der Ringfläche des Firmicus, des Azout (Schr.), beim Mercurius u. dgl. nicht mit den erwähnten, beständig dunkel bleibenden Flecken zu verwechseln, da jene nur eine früher erfolgende Vegetation andeuten, während die von mir z. B. in dem Mondflecken Schröter und Hyginus, vielfältig beobachteten Flecken theils auf schwarzwaldige Flächen rathen lassen, theils vielleicht, z. B. wie der südwestliche dunkle Fleck in der Ringrinne des Schickard, Landseen sind*), weil wenigstens erstere beide nur bis auf gewisse Stellen, die immer dunkel bleiben, abzubleichen pflegen. Die meisten unter allen von mir vielbeobachteten grauen Flächen verrathen eine Kultur des Bodens mit krautartigen Gewächsen im Monde, wann sie zu gleichen Wechselzeiten in diesem Monate diese, in jenem jene Gestalt haben und wenn sie in manchem Monate schnell verschwinden; denn jener Umstand deutet auf willkührliche Abänderung des Pflanzungsortes und dessen Umfangs, und


*) Im Schickard habe ich 1821 am 14. April Ab. um halb 9 Uhr eine sonderbare Morgensonne beobachtet, denn ich sah, wie dort um den vermeintlichen See, welcher nun ziemlich abgebleicht erschien, ein dunkler, gut begränzter Bogen sich zog und ihn von Osten aus einschloß, gleichsam als wäre dort so eben das Eis aufgethaut; welche Erscheinung aber auch junge, so eben aufgegangene Pflanzen verursachen konnten. Man kann indessen, wenn es dort sehr heiter ist, gewiß nicht die außerordentliche Aehnlichkeit dieses Flecken mit einem See verkennen.

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dieser läßt auf plötzliches, wlllkührliches Abräumen der Felder, d.h., auf Einernten rathen.
Hierher gehörende Beobachtungen sind folgende: 1) In den gleichen Wechseltagen mit ähnlichen und ganz gleichen Beleuchtungswinkeln sind die Gestalten und Lagen der einzelnen Farbtintenflecke und auch ihre Größen gar nie gleich, oft einander gar nicht ähnlich, weil sie sich alle Tage verändern; welche Veränderungsreihen im Verlaufe anderer Monate selten in gleicher Ordnung sich wiederholen: hieher gehören nach meinen Beobachtungen Schickard, Mersenius mit seiner Umgegend, Grimaldi, Riccioli, der Locus trasimenus, der sehr grau werdende Fleck am Promontorio arietis, die Ringfläche im Cleomedes, die besonders sehr dunkel werdenden Umgegenden beim Condorcet (Schr.) und Alhazen (Schr.), die Ringfläche des Posidonius und noch mehrere andere ähnliche Stellen, wovon überhaupt, um genauer beobachtet zu werden, fast eine jede ihren eigenen Beobachter erheischen würde. Zwar ist es wegen der Erdwittrung nicht möglich, solche zusammenhängende Beobachtungen zu machen, daß eine instruktive Zusammenstellung obiger Veränderungsreihen herauskäme, allein die Figuren, welche sich zuweilen im Grimaldi gestalten, wenn seine Dunkelheit anfängt, sich über seine nördlichen Grenzen zurückzuziehen, deuten bei solchen Veränderungen dennoch auf Verhältnisse, die ohne Voraussetzung einer ursächlichen Willkühr durchaus nicht erklärlich sind. So habe ich am 20. Sept. 1821 früh 2 Uhr, als

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die Lichtgrenze nach dem letzten Viertel durch Plato, Eratosthenes und Tycho gieng, in der nördlichen Hälfte der noch ziemlich dunkeln Ringfläche Grimaldi, dieselbe mit mehrern hellern geraden Streifen kreuz und quer*) durchzogen gesehen, was mir, zu ganz andern Wechselzeiten, später öfter wieder vorkam. - Doch noch mehr, als diese Veränderungen, werden jene auf Willkühr deuten, welche ich nun 2) anführe; nämlich: am 11. October 1821 Abends halb 7 Uhr, kurz nach dem Vollmonde, waren die Paludes amarae (Hev.) noch grau, dem Hellgrauen sich nähernd, und waren es noch bis gegen 10 Uhr, allein des andern Tags gegen halb 4 Uhr waren die gestern noch grauen Ringhügel ganz auffallend hellweiß geworden. Von dieser schnellen Veränderung findet man auch schon Manches im Hevel´schen Werke. Indessen ist folgende Erscheinung noch viel auffallender: Der Sinus trasimenus macht gewöhnlich in seiner Farbe, während er beleuchtet ist, fortwährend gleiche Fortschritte, so, daß er allmälig dunkler wird, bis er endlich, bevor bei ihm die Sonne untergeht, wie eine breite, ebene, bald schwarzgraue, bald rauchgraue Fläche aussieht; allein am 7. Nov. 1821 Abends halb 8 Uhr nahm ich von ihm eine Zeichnung**), weil ich ihn gar sonderbar und ungewöhnlich gestaltet fand. Des andern, Tages, um


*) Indessen könnte dieses Phänomen auch wohl auf einen zweiten colossalen Kunstbau hindeuten.
**) M. s. die Abbild. Fig 4., das äußere Quadratchen.


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eben diese Stunde sah ich aber, daß seine Theile, statt größer geworden zu seyn, um sehr viel kleiner und sehr verändert und schmaler geworden waren*), was doch ganz gegen die gewohnte Ordnung ist. Daß die Vegetation auf halbem Wege Rückschritte machen sollte, ist nicht zu glauben, sondern es dringt sich die Vermuthung auf, auch hier habe die Willkühr ihr Spiel gehabt; was um so leichter möglich ist, da hier herum von mir Straßen bemerkt wurden, und im Süden des Archimedes und Nordosten jenes Sinus, eine vielbewohnte unebene Fläche zu seyn scheint. Ueberhaupt zeigen mehrere dunkle Flecke schnelle u. große Abänderungen, welche nicht aus atmosphärischen Decken und deren Metamorphosen erklärlich sind, und hierin zeichnet sich die im Osten und Süden sehr dunkelwerdende und im Westen so sehr mit Geräumten durchzogene**) Umgegend des Mersenius vorzüglich aus; denn hier sind durch Geräumte die Felder förmlich in Vierecke abgetheilt***), in welchen fast überall ein oder


*) M. s. die Abbild. Fig. 4. des inneren Quadratchen.
**) M. s. die Abbildung Fig. 1.
***) Es ist sonderbar, daß Hevel und Andere zu seiner Zeit in Süd und Südwest des Plinius zwei längliche Vierecke auf die Mondcharten gezeichnet haben, die man jetzt gar nicht mehr bemerkt. Sie hießen nach Hevel Erichtini Scopoli. Ich habe sie sorgfältig aufgesucht und nur einmal gesehen. Es war am 6. September 1821 Abdens 6 Uhr. Sie bestehen aus hellern Flecken von verschiedener Größe, welche, durch ihre Anordnung in 2 Vierecke, diese Gestalten bilden. Fehlte seitdem hier die Cultur?


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zwei breite runde Hügel sind, die gar wohl selenitische Wohnungen andeuten können. Einen wahren Beweis von monatlicher Cultur des Bodens giebt die totale Abänderung der Umgegend des Alhazen seit 1788, nach fast unzähligen Schröter´schen Beobachtungen, wovon das ausführlichere sogleich unten (Lit. D. Nro. 1.) vorkommen wird.

D. Anderweitige Spuren von verständigen Mondbewohnern, welche sich auf die uns von ihnen bekanntet physischen Aussenverhältnisse gründen.

Bevor man von diesen Spuren sprechen kann, müssen aus der selenitischen Naturlehre, d. h., aus den natürlichen Aussenverhältnissen der Mondbewohner, die Merkmal dieser Spuren näher entwickelt werden. a) Im Monde regnet es nie; denn die dünne Atmosphäre (welche eben so beschaffen ist, als wie bei uns in einer Höhe, worin nur noch die feinsten Nebelstreifen - Cirri - schweben), kann keinen Regentropfen tragen. Nur ein höchst feiner Thau befeuchtet da die Ebenen, die niedrigen Hügel und kleinen Ringberge, die oft, dieses Nebels wegen, nach Sonnenaufgang sich unter dem Thaunebel verbergen. b) Im Monde ist die Luft zwar von derselben Beschaffenheit, wie die unsere*),


Ich habe in der so eben citirten akademischen Abhandlung diese Verhälnisse S. 657-663. auseinandergesetzt; besonders S. 644.

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allein sie ist außerordentlich verdünnt*), so daß die Luft der Erde 28mal schwerer ist als jene des Mondes**).
c) Im Monde ist die Schwere selbst um Vieles geringer. Nach Newtonschen Grundsätzen verhält sich des Mondes Schwere, an dessen Oberfläche zu der von der Erde nur wie 2,83:15,10, oder wie 1 zu 5,33 und folglich sind die Körper dort 5 1/3mal leichter, als an unserer Erdfläche***). Dagegen, bleibt die Wirkung der Schwungkraft ganz dieselbe, und erfährt wegen der minder dünnen Luft sogar noch weniger Widerstand, was für mechanische Verrichtungen im Großen ein sehr günstiger Umstand ist.
d) Im Monde wechseln alle Mondsmonate die außerordentlich grellen Temperaturextreme der Luft, wahrscheinlich zwischen 40° unter und 40° über 0 Reaumur, während der Boden am Tag im Monde vielleicht über 60° Reaumur erwärmt werden kann, so daß immer in beträchtlichen Tiefen unter dem Mondboden die mittlere Temperatur zwischen 10 und 20 Reaumur schweben dürfte****).
e) Im Monde, steigt bei großer Hitze


*) Hierüber habe ich das geeignete Physikalische ebendaselbst S. 641 - 649. verhandelt.
**) Ebendaselbst S. 641-642.
***) M. s. im oft angeführten Werke Schröter´s B. II. S. 391. §. 955.
****) M. s. in den akademischen Abhandlungen zu Bonn B. II. Abth. 2. S. 644 - 672.


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des Sommers das kohlenstoffsaure Gas, welches die Lungen entbinden, noch weniger leicht in die Höhe*), als bei uns, durch welches Verhältniß auf der Erde schon z. B. die Kamtschadalen sich eigene Wohnungen (Jurten) für den Sommer anlegen, weil ihr Winterjurten (Balangonen) ihre Hausthüren nur am Dachgiebel haben, und auf keinen Fall hier eine söhlig auslaufende Thür möglich ist; und eben so machen es fast alle Völker der nördlichen Eiszone; wenn sie den Winter in troglodytischer Lebensart zuzubringen genöthigt sind, d. h., wenn es ihnen an sehr festen Baumaterialen, Holz oder an Baulust gebricht u. s. w.
Die obengemeinten Spuren können daher denjenigen nicht gleichen, welche wir von den Menschen auf der Erde antreffen würden, wenn wir diesen Planeten mit unsern Fernröhren vom Monde aus betrachten könnten. Denn
1) brauchen die Häuser Im Monde kein anderes Dach, als es die Masse des Bodens oben darbietet. Die Mond-Städte werden daher keine eigens gefärbten Dächer haben. 2) Wegen der dünnen Luft bedarf der Selenit eines großen Luftraumes in seiner Wohnung; diese muß also selbst sehr groß seyn.


*) Die gemeine Luft dehnt sich im Verhältniß mit der doppelt so schweren kohlensauren Luftart viel stärker aus.

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3) Da, bei sich überall stets gleich bleibender Schwungkraft, die Schwere dort um Vieles geringer ist, als bei uns, so wölbt der Schelenite sich auch viel leichter ein großes, weites Dach, oder gräbt sich leichter eine große Höhle, als wir auf der Erde.
4) Selbst beim Ueberflusse des Feuerungsmaterials würde es unmöglich seyn, im Monde große Wohnungen in frei stehenden Häusern gehörig zu heizen, weil die verdünnte Luft, nur sehr geringe Wärme entwickelt*) und sie heftig wieder ableitet. Selbst wenn man ein Feuerungsmaterial voraussetzte, welches so heftig wie Campher oder Phosphor brennen würde, so wäre das stete Heitzen sehr beschwerlich, weil dadurch zu viel Luft verzehrt und unathembar gemacht würde. Der Mondbewohner kann die Nacht hindurch also nur sehr tief unter der Erde wohnen, wo er des immerwährenden Heitzens nicht bedarf, wenn man ihm auch gleich die Fähigkeit Feuer zu machen, und sich im Falle der Noth einzuheizen nicht absprechen kann**).
5) Da aber am Tage die durch Athmen verdorbene Luft nicht mehr aufsteigt, so bedarf der Mondbewohnor auch einer Sommerwohnung, die ihn vor der großen Hitze


*) M. s. in der oben erwähnten akad. Abh. S. 664.
**) Davon wird weiter unten noch Einiges vorkommen, und es scheint erwiesen zu seyn, daß der Mondbewohner sich zu vielerlei Zwecken, und auch zum Beheitzen seiner Wohnungen des Feuers bedient.


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schützt. Eine solche Tagwohnung muß daher auch grottenartig seyn, und durch die Materie des Bodens gedeckt werden. Kann der Mondbewohner sich hierin im Freien des Schattens wegen u. s. w. blos mit einer Felswand behelfen, (was leicht möglich ist, weil es am Tage selbst keinen feuchten Nebel giebt), so bedarf er keiner Sommerwohnung.
Die von den Mondbewohnern eigens auf flachen Boden hingebauten Wohnungen, werden uns also gar Nichts zeigen, als die gewölbten Dächer ihrer Sommerjurten, in welche die Oeffnungen par terre hinein gehen. Die übrigen, nicht mit Jurten versehenen, troglodytischen Wohnungen werden daher für uns entweder gar nicht, oder nur durch eine reguläre Aufhäufung des Schuttes, in der Gestalt der dort so häufigen, von Zeit zu Zeit sich verändernden, natürlichen Rundberge sichtbar seyn, weil diese Ringwälle ihnen Schutz vor kaltem Luftzuge gewähren.
Wir werden daher mit unsern starken, guten Fernröhren zweierlei Merkmale von Seleniten-Wohnungen wahrnehmen. Das erste Merkmal wird seyn: eine gewölbte Erhabenheit. Das zweite: ein um und um mit einem veränderlichen oder veränderten Walle, oder mit einem künstlichen Nebenbau am Ringberge versehenen Raum.

1) Gewölbte Erhabenheiten, als Merkmale selenitischer Wohnungen.

Diese können sich durch mehrerlei Gestalten auszeichnen. Für uns werden aber nur jene wahr-

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nehmbar seyn, welche sich als rundliche oder längliche zeigen; denn eckige oder sonst ausgeschweifte Formen werden, wenn sie im Durchmesser etwa 100 Fuß betragen, gern durch die doch immer etwas wallende Luft verwischt, oder ungewiß.
In solcher Hinsicht haben wir schon von den äußerlich gut wahrnehmbaren lang gestreckten, untereinander verbundenen gewölbten Formen im Mondflecken Schröter geredet. Und hier will ich nur noch in Anregung bringen, daß der auch wie Schröter, immer dunkel bleibende Rheticus (Ricc.) eben eine solche gewölbte Bauart in seinem Innern zu verrathen scheint *). Indessen ist es möglich, daß die von Schröter sogenannten langen Bergadern (welche nach meinen Entdeckungen sich größtentheils auf Klüfte und auf Stücken von veralteten, mit Seifengebirgsschutt bedeckten Ringbergen reduciren) von den Seleniten benutzt worden sind, um sich unter denselben Wohnungen und Gänge anzulegen; wofür manche Data sprechen. Ganze


*) Wenigstens nach einer Beobachtung vom 24. Oct. 182 Abend 6 Uhr. Ich glaube, daß man sich in dieser Hinsicht auf den Dom. Maria und Stadius aufmerksam seyn darf, und nicht weniger auf den, allen Zeichen nach dicht bewaldeten, Sinus hipponiates (Hev.); so wie der, aus gebogenen, immer dunkel bleibenden Bergen bestehende Hyginus nicht übersehen werden darf. Uebrigens darf man am Aequator in jeder dunklen Stelle ähnlicher Art ähnliche Bildungen suchen; da hingegen den Polen zu, immer die Formen erhabener Bergadern mehr vorragen, während im Oceano procellarum die minder bedeutende, höhenrauchigbedeckende helle Streifenform vorherrschend ist.

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Gruppen solcher, aber unordentlich liegender, also nicht durch Verstand und Willkühr entstandener, aber jedoch vielleicht auf ähnliche Art benutzter und modificirter Bergadern Enden sich südlich an, und auch in der Ringfläche jenes nordwärts beim Mondflecken Riccioli gelegenen Ringgebirgs, welches in meiner allgemeinen Mondcharte unterm 76° der östlichen Länge und 4° der nördlichen Breite, im Nordost vom Hevelius seine Lage hat, und bei welchem vom Riccioli hier bereits drei gegen dieses Ringgebirge laufende kurze Bergadern dieser Art angezeigt sind*). Ich habe dieses, immer sehr merkwürdige, Ringwallsystem, den großen Verdiensten des Mannes zu Ehren, mit dem Namen Herschel belegt.
Die mehr rundlichen Formen gewölbter Hügel sind auf dem Monde schon mit achromatischen Fernröhren von 2 Zoll Oeffnung den Tausenden nach zu sehen, z. B. um den Copernicus, Calippus u. a. Allein zum Theile sind sie ganz augenfällig von Natur entstanden, zum Theile so sehr veränderlich, daß sie bloß als atmosphärische Wolkengebilde angesehen werden müssen. - Einzelne Selenitenwohnungen oder dergleichen im Monde wahrzunehmen, dazu gehören gute, starke Fernröhre, die 4 bis 7 Zoll Oeffnung haben. Dann aber drückt sich der Charakter gesammelter Wohnplätze verständiger organischer Wesen sehr deutlich


*) In der Tob. Maier´schen Charte steht dieser Mondflecken nur um einen starken Grad nördlicher.

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aus. Keine einzige, natürlich entstandene, Hügelsammlung drückt sich eben so aus: denn eine solche hat große, nach einer bestimmten, meist radial auslaufenden, Ordnung gestellte Erhabenheiten, in der Höhe und Breite zwischen 200 und 600 Fuß und noch beträchtlicher, und diese liegen 1/2 bis 2 Meilen auseinander. Sammlungen selenitischer Wohnungen aber stehen ohne merkliche Ordnung, und in der Regel so enge beisammen, daß unter ihnen selten ein solcher Baum übrig bleibt, um dazwischen noch eine eben solche Wohnung anzulegen; und ihre Höhe geht von 40 bis 80 Fuß, aber kaum so weit ihr Horizontaldurchmesser. Mit diesem Charakter haben sich mir 5 bis 6 solcher Erhabenheiten mitten und hart am westlichen Grenzgebirge des Maris crisium*) am 12. October 1821 Abends 9 Uhr gezeigt. Nach einer Beobachtung vom 4. Febr. 1824 stehen sie in des Alhazen südöstlicher Gegend noch in der Ringfläche des crisischen Meeres und um den Alhazen, so wie von diesem an bis zu den besagten Erhabenheiten wird im Verlaufe des Mond-Tages oder Sommers die Gegend so ausgezeichnet schwarzgrau**), als


*) M. s. die Abbildung Fig. 5.
**) Der südliche, sehr niedrige Theil des im Norden offenen Alhazen wird damit auch ganz verdunkelt, und deshalb scheint sich dieses Naturgebilde (welches man nur bei Sonnenaufgang daselbst vollkommen so deutlich sehen kann, als es Schröter Tab. LXXIIL. Fig. 67. abgebildet hat) vom Monde verloren zu haben, was selbst Schröter [weiter auf Seite 65] einmal geglaubt hatte. Dagegen sah ich den Alhazen, wenn über ihm die Sonne untergieng, als einen ungeheuren hohen, alle dortigen Berge mehrmal an Höhe übertreffenden, länglichen Berg, der seinen Schatten weit nach Westen warf, während alle übrigen Berge dort nur kurzen Schatten gaben.


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die dunkelsten Gegenden des Mondes nur immer werden können, welches Phänomen wir als ein Zeichen der vorzüglichen Fruchtbarkeit und Cultur des Bodens ansehen dürfen, und das Letztere um so mehr, als diese auffallende Erscheinung auf dem Ringgebirge des Alhazen sowohl, als in seiner Umgegend, sich erst nach 1788 zu zeigen angefangen hat. Da Schröter*) ihn vorher immer und bei jeder seiner Beobachtung (indem er den Alhazen zur Bestimmung der Libration benutzte) aus seiner grauen Ringfläche leicht erkennen konnte, sah er ihn von nun an unter den verschiedensten Gestalten und zuweilen so undeutlich, daß er, wie er selbst gesteht, gar nicht wissen konnte, was er daraus machen sollte." Und nun erscheint diese ganze Gegend in einer Schwärze, wie sie Schröter noch nie gesehen hatte, oft aber auch wieder nur in einem starken Dunkelgrau**), oft in dieser, oft in einer andern dunkeln Gestalt; so daß wir


*) M. s. §. 85. S. 147. des ersten Bandes und vergleiche damit die § 355 - 357. S. 266 - 267. des zweiten Bandes der selen. Fragmente.
**) Schröter würde dieses, fast wie Schatten der Nacht so dunkle, Grau wohl angemerkt haben, wenn er es gesehen hätte (wenn es nicht bloß eine oftmalige Erscheinung der letztverflossenen Jahre gewesen wäre).


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nach so bewandten Umständen, an eine dortige, nach den jedesmaligen Bedürfnissen eingerichtete, monatliche Cultur glauben müssen und gezwungen sind, in den noch westlicher gelegenen Hügeln ungleich mehr, als bloß ein halbdutzend Wohnungen verständiger Wesen vorauszusetzen; was vielleicht künftige Beobachtungen nicht bloß von diesen, sondern auch von sehr vielen andern ähnlich beschaffenen Gegenden des Mondes bestätigen werden. Sollten nicht in einer solchen Gegend tausende von verständigen Wesen froh seyn können, da sie den Genuß einer sehr reinen Luft*) und alle mögliche Abwechslung der Temperatur haben, ohne Zweifel selbst Thiere zähmen, und auf wilde Jagd zu machen vermögen? Daß der Mondflecken Marius an seiner Nordseite, wie ich schon Eingangs dieser Abhandlung meldete, wirklich einer großen Stadt ähnlich sehe, davon habe ich mich in meinen Studienjahren überzeugt, und zwar nur mit einem 14fußigen gemeinen Fernrohre und mit Beihülfe meines äußerst scharfen Sehvermögens; allein, seitdem ich gute


Um kein Athmungsbeschwerniß von einer so dünnen Luft zu fühlen, bedürfen die thirischen Wesen auf dem Monde nur größerer Lungen. Indessen hat selbst auf der Erde die Natur noch mehrere andere Respirationsmittel, nämlich durch den Hautrespirationsprozeß und durch die wahre Wasserathmung, vermöge welcher Sauerstoff gewonnen wird, während Wasserstoff mit dem auszuscheidenden Kohlenstoff sich zu Fett, Galle, Urin u. dgl. verbindet (m. s. die oben citirte akademische Abhandlung S. 657 - 659.).

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starke Fernröhre besitze, hat mich die Witterung noch nie dazu kommen lassen, diese bewunderungswürdige Landschaft zu untersuchen. Daher muß sich der Leser schon mit dem begnügen, was Schröter im zweiten Theile (§. 744. etc. und Tab. LX. Fig. 1 und 3.) davon beschrieben, abgebildet und beurtheilt hat. Ich glaube aber, daß hier die Population, vielleicht wegen zunehmenden Wassermangels, ziemlich abgenommen, oder sich ganz verloren haben müsse, weil um den Marius die Gegend sich nicht durch eine vorzüglich graue Farbe auszeichnet.

2) Ein ringsum mit einem veränderlichen Walle umschlossener Raum, als Merkmal selenitischer Wohnungen.

Die Veränderlichkeit des Walles ist es, welche diesen Charakter nur auf sehr kleine und auch auf andere, größere Ringberge fixirt, sie mögen nun ihre wahre Gestalt durch die Natur, oder durch die Kunst erhalten haben; denn unveränderliche, deren es unzählige giebt, mögen wohl auch zuweilen Seleniten beherbergen, aber als bewohnt sind sie dann nicht erkennbar. Diese Eigenschaft aber muß sich in deutlichem Veränderungen zeigen; diese mögen nun scheinbar seyn oder wirklich mit den Wällen dieser Gebilde, vorgehen. In solcher Hinsicht würde ich, um Alles, Punkt für Punkt, einer nähern, strengen Untersuchung zu unterwerfen, ein eigenes Werk schreiben müssen, um Nichts zu übergehen, was hierher zu ge-

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hören scheint, sofern die specielle, und allem Anschein nach von Rauch oder von einzelnen Wolken bedeckte und wieder aufgeheiterte Ringwälle und ihre inneren Flächen beträfe; da meine Tagebücher Beobachtungen dieser Art zu hunderten enthalten. Ich kann hier also nur einige auffallende Beispiele auswählen.

a)Von solchen, die bald da sind, bald verschwinden, oder sich sonst unter der Beobachtung scheinbar verändern.

α) Nach vielen neuern Beobachtungen des Mersenius und seiner Umgebung habe ich jedes einzelne Gebilde so sehr veränderlich gefunden, daß es unmöglich wäre, falls diese Veränderungen alle den Wolken zugeschrieben werden wollten, wie ich früher es that*), daß nicht auch an andern Stellen des Mondes eben solche Veränderungen der mannigfaltigsten Art vorgehen sollten, die doch eben so gut auf Erscheinungen durch Wolken Ansprüche haben. Man darf nur meine frühere Abbildung des Mersenius**) mit der hier Fig. 1. gelieferten vergleichen, um sich neuerdings von diesen Veränderungen zu überzeugen, und ich mache


*) In den akademischen Abhandlungen von Bonn B. X. Abtheilung II. S. 646-649.
**) Ebendas. die andere lithographische Tafel. Bei einer Reflexion dieser Art muß, wie sich von selbst versteht, abgerechnet werden, was dabei der verkehrte Schatten in den beiden Abbildungen geändert darstellt.


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einzig auf die hier sichtbare Spalte im Centralgewölbe aufmerksam, die ich unter einer ähnlichen, Beleuchtung gar nie gesehen habe, und welche auch noch ein kleines Rundgrübchen hat; eben so sah ich ein etwas größeres Rundgrübchen, bei entgegengesetzter Beleuchtung von Westen her (da, wo ich ein Sternchen (*) hingezeichnet habe), welches Grübchen ich unter ähnlichen Beleuchtungsumständen noch nie sah; ein Fall, der auch Schröter, Harding und Andern*) vorkam. Wenn, nun hier gleich die ganze Ursache auf Schwaden oder Nebel geschoben werden wollte, welche letztere allerdings oft die Ringfläche auf das Mannigfaltigste verunstalten, so wäre es ganz unerklärlich, warum sich hierin die Spalte und die Stelle, wo keine ist, gleich verhalten, und warum alle umliegenden großen Circellen gleichen Veränderungen unterworfen seyn könnten. Dazu kommt noch, daß Mersenius in seinem Innern sowohl, als in seiner Umgegend, durch die ganze Zeit seiner Beleuchtung den mannigfaltigsten Farbveränderungen unterworfen ist, welche bei einer solchen hohen Gegend viel eher einer emsigen Cultur, als einer, hier fast ganz allein vorkommenden, Ausnahme von der Gewohnheit der Natur zuzuschreiben ist, da ohnehin eine reichere Cultur des Bodens in den hier hierum belegenen besonders in Ost sehr grauen Flächen**) wohl nicht zu verkennen ist, welcher


*) Schröter´s selenot. Fragm. B. II. §. 664. S. 118.
**) In Riccioli´s Charte ist diese Gegend für den Vollmond und nachher (ob jene gleich sonst überall wenig genau ist) [weiter auf Seite 70] gut gezeichnet, denn sie verliert ihr ganzes Ansehen der Ringformen. Allein, so dunkel als die östliche und westliche Gegend am Mersenius werden, hat weder Hevel noch Tob. Mayer, noch irgend ein Anderer angemerkt.


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umstand mit der emsigen Thätigkeit der Bewohner kälterer Zonen der Erde recht gut harmonirt.
β) Eben dieses Emsige dürften die bei Schröter vorkommenden außergewöhnlichen Veränderungen im Gassendus, in seiner Umgegend und auch in und beim Vitello und Doppelmeyer wieder beweisen, womit auch meine Beobachtungen übereinstimmen; und ich will, nur allein auf eine am 5. Nov. Abends halb 7 Uhr 1821 gemachte Beobachtung, da die Lichtgrenze so nahe am Gassendus war, daß er in seiner Ringfläche noch Nacht hatte, aufmerksam machen; indem dem nördlich in seinen Ringwall eingreifenden, sonst bei dieser Libration immer ganzen, Circellum südwärts ein Drittheil seines Walles fehlte, dafür aber gleich in Süden in der Ringfläche des Gassendus ein anderes, ganzes, sonst noch nie gesehenes, Circellum herausdämmerte. γ) Durch förmliche, selbst während der Beobachtung sichtbar aufsteigende, Rauchwolken ändert sich die innere Gestalt des Montis Phoenix (Hev.) auf eine so auffallende Weise, daß er bald geschichtet, bald nicht, bald ordentlich gebildet, bald wie ein Uhrglas verseichtet vorkommt, daß sein Centralberg bald sehr schmal, bald wie geschwollen aussieht. Ich habe vier Zeichnungen von ihm gemacht, und von allen sieht nicht eine irgend einer andern ähnlich) sofern das innere Ansehen dieses

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Ringgebirges berücksichtigt wird. Ich will dabei gar nicht auf die Schröter´schen Abbildungen*) verweisen, da es hiemit schon genug seyn wird, diesen, wegen seiner Tiefe und wegen der Luftfeuchtigkeit**) in diesem (selbst für Erdenmenschen bewohnbaren) Mondessel, als durch Willkühr oder durch Ausdünstungen erzeugte Wolkendecken geschützt, vorzüglich für Wohnungen der Seleniten geeignet zu erkennen. δ) Nicht weniger veränderlich zeigen sich die zwei Ringbirge, welche Riccioli Mart. Capella und Isidorus nannte. Schon Schröter***) nahm darin Veränderungen wahr; allein den Ringwall des Capella sah er immer zerspalten, durch welche Spalte (einmal ausgenommen) eine lange Furche (Rille) führte, gerade wie ich dasselbe vor 10 und mehreren Jahren sah; allein seit einigen Jahren ist jene Furche zuweilen ganz unsichtbar, auch ist nun des Capella Ringwall vollständig wieder geschlossen und nur da, wo dessen Spaltung sich ehemals fand, sind, seine zwei Hälften verschoben. Es sind indessen sehr viele Gegengründe da, die Schließung einer großen Spalte, die bereits abwärts ohnehin ausgefüllt war, aus gewaltsamen Naturwirkungen zu erklären, wie dieses zu thun Schröter so sehr gewohnt ist; sondern folgende Beobachtungen müssen uns auf ganz andere Resultate führen. Nämlich,


*) Tab. XLIV. Fig. 1. C. und Fig. 2. C.
**) M. s. die oben citirte akademische Abhandlung S. 662.
***) Sel. Fragm. Thl. II. §. 307


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wenn man die Schröter´sche Abbildung Tab.LXXI. Fig. 47. vor sich nimmt und bei c die nach Süden gehende Ausschweifung betrachtet, wie sie sich nach Westen biegt, so ist von mir dieselbe Ausschweifung schon nach Osten gebogen gesehen worden, während sie ein Andermal ganz fehlte und dafür der Isidorus nach Süden eine solche Ausschweifung hatte, die auch ein Andermal hier verschwunden war und ich nun mit ihr den nördlichen Wall besetzt fand. Auch scheint es, daß bei Schröter (wie es aus der 73ten Tafel Fig. 65. den Anschein hat) hier eine solche Ausschweifung ganz gefehlt habe. Ich überlasse es dem Leser, ob er nicht liber zufälligen Wirkungen der willkührlichen Art den Vorzug giebt, die uns das Offenseyn des Capella durch einen weiten Graben vorgespiegelt haben, wenn sich dort der Wall scheinbar spalten und wieder vollkommen ergänzen konnte. - Unter allen Hypothesen über diese Phänomene, scheint mir jene die natürlichste, die sie aus dem niedrigen Fortströmen eines willkührlich erregten Rauches, geleitet durch verschiedene Winde, erklärt. ε) Schon Schröter*) hat über die Veränderungen im Ptolemäus viele Beobachtungen angestellt, ihn aber nie ganz atmosphärisch unbedeckt gefunden, wie ich am 2. Nov. 1821 Abends 5 Uhr; so, daß ich auf Einmal Alles in seiner Ringfläche sah, was Schröter nur stückweise gesehen hatte, und noch vielmehr dazu, besonders sein auffallen-


*) Sel. Fragm. §. 549. 550

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des Centralgewölbe; ja, ich finde im ganzen Mond keine Ringfläche so veränderlich, wie diese, die ihre Circellen bald zeigt, bald verbirgt, bald verändert, bald über sie und über die ganze Fläche Wölkchen anhäuft u. s. w. Kurz, diese Veränderungen muß man selbst beobachtet haben, um alle Lust zu verlieren, sie aus gewöhnlichen Naturwirkungen, z. B. aus bloßen einfachen Meteoren, erklären zu wollen.
ζ) Außer dem, was ich schon von Grimaldis Farbänderungen sprach, muß ich noch Meldung machen von einem Circellum in Nordost seiner Ringfläche, welches sich an Gestalt des ganz aus der Ringform in die eckige gebrachten Walles gar auffallend ändert und überhaupt so selten gesehen wird, daß man, um desselben gewiß ansichtig zu werden, die gelegene Zeit vor dem Vollmonde abwarten muß. Indessen ist nicht bloß dieses Gebilde so veränderlich, sondern man kann von mehrern, weniger aufmerksam beobachteten, Circellen da herum dasselbe sagen, was sich auch aus der besonders fruchtbaren Ringfläche des Grimaldi leicht begreifen läßt, und worin ich - im Süden seiner Ringrinne - einen See vermuthe, wie in jener des Schickard. η) Da der Sinus Syrticus auch eine fruchtbare Ringfläche zu haben scheint, so merke ich auf Veränderungon in ihm und in seiner Umgegend. Ich fand sie in dem, in meiner allgemeinen Charte in Nordwest dieses Sinus angezeigten, Circellum, welches, ich noch nie in seiner Ringfläche ohne wolkige Bedeckung gesehen habe, das nach zwei

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genau gemachten Abbildungen das eine Mal da Vertiefungen hätte, wo es ein anderes Mal erhöht war. Auch ist dessen Ringwall dadurch merkwürdig, daß es sowohl gegen Nord, als gegen Süd, Jedesmal eine so ausgeschweifte Lücke hat, als hätte man geflissentlich Straßen durchgeführt um nicht den hohen Ringwall passiren zu müssen. θ) Firmicus gehört unstreitig zu den fruchtbarsten eingeringten Flächen, und beobachtete ich ihn, wenn so eben dort die Sonne aufgegangen war, so, fand ich ihn zuweilen verändert, und besonders am 3.Juli 1821 Abends halb 9 Uhr sah ich in ihm eine Wolke, die während einer Stunde ihre Gestalt veränderte. Ueberhaupt sind die Paludes amarae auf ähnliche Art eben so veränderlich als fruchtbar, und man darf hierüber nur bei Schröter nachlesen*), was er von den meteorischen Verschwindungen und Veränderungen des auch noch hieher gehörenden Condorcet und über das dortige Grenzgebirge des Maris Crisium, geschrieben hat.
ι) Von der im Südwesten am Hyginus belegenen, canalartig durchschnittenen Gegend, würde ich in Ansehung der daselbst beobachteten temporellen Veränderungen ein ganzes Buch schreiben können. Schon Schröter**) hat, dieser Veräderungen wegen, hierher ein Volk gesetzt, das seine gewissen Gewerbe treibt, woraus er allein


*) Sel. Fragm. §. 811 und 812. B. II.
**) Ebend. 793. 801 - 803.


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Alles erklären zu können vermeinte. Unter allen Gegenständen ist Schröters halbes Circellum D (der 62sten und 71sten Tabelle Fig. 2. und Fig. 4. b.) das veränderlichste im ganzen Monde*), auch sieht es in Ansehung der Canäle**), die nur durch Spalten oder durch Geräumte gehende Wege oder Straßen zu seyn scheinen, in einer industriös vortheilhaften Lage. Dieses unvollständige Ringgebirge sah Schröter***) eigentlich ganz, jedoch durch den großen Canal in zwei Theile getheilt; minder vollständig bildet er es noch später (Tab. LXXI. Fig. 46.) ab; allein zu meiner Zeit hat es sich immer und immer viel weiter offen gezeigt****), und nie habe ich die Ringfläche dieses Gebildes ohne die Decke eines, auch oft die Canäle mit verbergenden, rauchigen Nebels gesehen. Ich war doch stets darauf aufmerksam, weil sich in ihr willkührlich angelegte Gebäude vermuthen lassen, zumal, wenn man den Gedanken erfaßt, daß die


*) M. s. hier in der Abbildung Fig. 8. Lit. D.
**) Schon oben ist gemeldet, wie weit sie von Natur und durch Kunst vielleicht benutzt sind, und wie weit man, sie als bloße künstlich erzeugte Geräumte ansehen könne was bei der Erklärung der 8ten Figur noch deutlicher werden wird.
***) §. 795. S. 220. des II. Bandes.
****) Erst in den letzten Tagen, ehe ich diese Abhandlung zum Drucke gab, fand ich am 20. April (1824) was ich noch nie gesehen; nämlich der Theil des Ringwalles vom Circellum D, welcher zwischen den beiden an ihm liegenden Circellchen liegt, hat sich in drei den Ringwall die Quer durchschneidende längliche Hügel verwandelt.


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Seleniten von dem allmählig scheinbar vom Monde hinweg verschwundenen starken Drittheile des Ringwalles ihre Wohnungen gedeckt, oder zur Verengerung ihres durchziehenden Walles verwendet haben konnten, als man von dem Rauchnebel nie mit einiger Zuversicht aufspüren kann.
κ) Aus frühen Abbildungen Grimaldis, Ricciolis, Cassini und Tob. Mayers leitete schon Schröter*) eine auffallende atmosphärische Veränderlichkeit des Vitruvius ab. Meine Beobachtungen bestätigen dieses: denn einmal sieht man ihn ganz, wie ein gewöhnliches Ringgebirge, überhaupt nach der Wechselzeit des Mond-Tages, mehr oder minder grau, aber auch scheinbar verändert, einmal mit, einmal wieder ohne Centralberg, oder ganz überwölkt**), oder nur innen mit einer nicht ganz an das Ringgebirge sich schließenden Wolkenscheibe versehen, die, wie Rauch, längliche Erhöhungen bekommt und sie unter der Beobachtung wieder verliert; wie ich dieses am 18.August 1821 Morgens nach halb 4 Uhr, als eben die Sonne im Begriff war, über ihn unterzugehen, gesehen hatte; da hingegen ein anderes Mal, als eben die Sonne über ihm aufgieng (es war am 15. Febr. 1822 Abends 7 1/4 Uhr), statt durch Rauchwolken ganz verseychtet zu seyn, Vitruv ohne ganz ungewöhnliche Tiefe zu haben schien, und wobei gerade,


*) A. a. O. §. 144.
**) Deshalb scheint ihn auch Cassini gar nicht gesehen zu haben.


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wie am Circellchen im Nordwesten des Syrtischen Busens, in Süd und Nord durch das Ringgebirge Straßen geführt zu seyn schienen; kurz, man hat, so oft man ihn sieht, allemal Mühe, ihn sicher zu erkennen. λ) Eben so voll gefüllt mit Rauchwolken, habe ich zwei Mal ein Circellum im Norden vom Aristarchus gesehen (welches Schröter in seiner ersten Figur der Tab. 27. mit 1 bezeichnete), und es stimmt diese Erscheinung insofern vollkommen mit der gleichen im Vitruv überein, als bei diesen Beobachtungen alle Mal in der beobachteten Gegend die Sonne untergieng. - Und eben so veränderlich verhält sich Aristarchus selbst. Abgesehen vom nächtlichen, sehr veränderlichen Lichtspiele, worüber die Acten noch nicht geschlossen sind, so habe ich in der, auf meiner allgemeinen Mondcharte verzeichneten, im Osten des Aristarch gelegenen Rille, vielfältige Veränderungen wahrgenommen, von denen ich nur die einzige anführen will, daß ich sie, die so leicht zu finden ist, am 19. Dec. 1813 Morgens 7 Uhr so sehr übernebelt gesehen habe, daß ich Mühe hatte, sie mit meinem guten 30zolligen Tubus zu finden, obgleich in der dortigen Gegend eben die Sonne untergieng.
μ) Die vielen, an bestimmten Orten nur sich zeigenden Rauchwolken in der Ringfläche des Posidonius haben Schröter*) längst zur Behauptung dortiger Sammelplätze vernünftiger Geschöpfe, nämlich gewerbetreibender Seleniten bewogen.


*) A. a. O. 705, 706, 708, 701 B. II.
**) Rauch ist großen Wohnörtern der Erde eigenthümlich, [weiter auf Seite 78] oder wenigstens ein immer sie überschwebender Nebel. Warum sollte dieses nicht auch im Monde Statt haben? Ich wenigsten weiß es nur aus diesem Nebel zu erklären, daß zu einer Zeit; da die Sonne etwa 10° über dem Kunstbau im Schröter steht, jener Bau bald schwer, bald wieder sehr leicht noch zu erkennen ist.


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Ich spannte auch deshalb meine Wißbegierde zur Nachuntersuchung und fand das von ihm Beobachtete nicht allein bestätigt, sondern noch manch Anderes darüber. Nebenher wurde ich auch aufmerksam auf das ältere kleinere, im Südwesten, hart am Possidonius belegene, Ringgebirge, an welchem ich noch ungleich mehrere, durch Nebelstreifen ziehende Rauchwolken, Verdunkelungen, Verschließungen und Verschwindungcn des Central-circellchens u. dgl. sich auszeichnende Veränderungen wahrgenommen hatte, weshalb ich, um ganz versichert zu seyn, zu verschiedenen Zeiten mehrere Abbildungen gemacht hatte.
ν) Auf gleiche, aber noch viel auffallendere Weise verändert der wahre Ricciolische Calippus seine ganze Gestalt, so oft man ihn ansieht, so daß Schröter (Tab. IX. und XIII. §. 149., 156., 157.) ganz ein anderes Circellum (den Ricciolischen Theartetus) dafür angesehen und beschrieben hat*), da gar oft von ihm nicht eine

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Spur wahrzunehmen ist, während er ein anderes Mal aus den höchsten Felsenklippen zusammengesetzt zu seyn scheint, und dann abwechselnd sanfter gebildet, aber über und über mit kleinen Haufwolken bedeckt sich darbietet, welche Wolken sich über die ganze Gegend so verbreiten, daß auch Eudoxus und sogar Aristoteles dergleichen auf ihren Ringwallen tragen müssen. Ich habe mich beflissen, seine gewöhnlichste Gestalt auf meiner allgemeinen Mondcharte darzustellen.
ξ) Auf nicht gar so grelle Art verändert sich die Ringfläche des südlich hart am Plato liegenden Newton, der aber, wie es Schröter aus alten Schriftstellern wahrscheinlich macht, ehemals mehr überwölkt gewesen seyn dürfte, was um so eher zu glauben ist, da sich seine Ringfläche immer mehr aufzuheitern scheint; so sah ich z. B. am 4. October 1821 durch das 60zollige Fernrohr im Norden am Pico (Schr.) drei sehr feine Rundgrübchen, und später mit dem 60zolligen Tubus öfters wieder Gegenstände, die Schröter selbst mit seinem großen 27fußigen Teleskope nicht erblickte*); und so verhält sichs noch zuverläßiger mit der Ringfläche des Plato, in welcher ich mit dem 30zolligen Tubus Circellchen entdeckte, von denen Schröter trotz aller Anstrengung mit jenem Rie-


*) Mit meinem 60zolligen Tubus habe ich in dieser Fläche neulich am 8. März 1824 Abends nach 7 Uhr noch 3 andere Circellchen gesehem, davon nur eines von Schröter entdeckt worden war, während ich damals in Allem darin ihrer sieben gesehen, und in ein Kärtchen aufgenommen hatte.

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seninstrumeme Nichts wahrnehmen konnte. Es beweiset zwar die allmählige Aufheiterung dieser, von Schröter für so fruchtbar als die campanischen Gefilde gehaltenen, Mondlandschaften eher das Gegentheil von Selenitenwohnungen, allein die Verminderung der auf sie beziehbaren Erscheinungen läßt wenigstens auf frühere Bewohnbarkeit und Bewohnheit einen Schluß machen, was also für uns ganz gleichviel gilt.
So viel mag genug seyn, die willkührlichen Veränderungen in manchen Ringwallsystemen, oder eingeringten Flächen höchst wahrscheinlich zu machen, und, was die Hauptsache ist, zur weitern Untersuchung derselben anzufeuern. Sie würden übrigens ihre sehr dringende Wahrscheinlichkeit in Beziehung auf willkührliche Veänderung einzelner solcher Gebilde, sie sey wirklich oder bloß atmosphärisch, nicht verlieren, wenn davon auch die Hälfte, oder noch mehrere Theile dereinst füglicher aus gewöhnlichen Naturwirkungen sich sollten erklären lassen. Indessen könnte ich solcher Gebilde, besonders um den Aequator, noch mehrere nennen, von welchen ähnliche Veränderungen von Schröter und mir beobachtet sind, was ich aber der Kürze wegen hier unterlasse.

b) Von solchen welche zuweilen sehr abweichend gestaltet zu seyn scheinen.

α) Hieher gehören vorzugsweise die von mir längst entdeckten feinen Rundgrübchen. Sie liegen


*) Astr. Jahrb. für 1819. S. 150-251.

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zwischen Copernicus und Eratosthenes, und die größten von ihnen sind in Reihen geordnet, von welchen letzteren ich unten (unter Nro. 6.) noch einmal sprechen werde. Die größten scheinen einen Durchmesser von 3000 Fuß*) nicht zu übertreffen, allein es giebt noch gar vielmal kleinere, da herum und anderwärts zerstreuet. Hier interessirt uns indessen an ihnen nur die Veränderung derjenigen welche in Reihen hart neben einander hin geordnet liegen, mit einander durch eine Kluft in Verbindung stehen**), und zuweilen besondere Gestalten annehmen. Diese Gestalten kommen immer nur dann vor, wenn über diesen Gebilden so oben die Sonne aufgeht und sie noch vom dämmernden Theile der Lichtgrenze berührt werden. Unter diesen Umständen haben sie eine viertheilige Gestalt***) mit vier Erhabenhei-


*) M. s. meine Abbildung hier Fig. 9.
**) Nach der Angabe des Herrn Justiz- Commissarius Kunowsky, im Bode´schen astronom. Jahrbuche für 1925, S. 217 - 218. Von den kleinsten schätzt K. keinen unter 1400 Fuß; ebendas. S. 2255. Es wird sich aber zeigen, daß er hier herum noch vielmal kleinere, nichtgereihte Circellchen sehen kann. Ich wünsche nur, daß sich Hr. K. nicht übereilen möge, wie dieses ihm offenbar mit meinem von Hipparch kommenden Flußbette geschehen ist, weil die durch Vegetation mehr oder minder grau erscheinenden Stellen gar leicht für Berg und Thal angesehen werden können; und weil in der dort sehr abfallenden Fläche auch, unbeschadet im Wasserlaufe, Unebenheiten vorkommen dürfen, wie auf unserer Erde.
***) M. s. meine Abbildungen Fig. 7. Die untere ist aus einer Beobachtung vom 2. März 1822 früh halb 1 Uhr; die obere vom 5. Nov. 1821.


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ten, die wie Kuppeln eines Doms aussehen und weiß sind. Man sieht in der Regel nur jene unter dieser Gestalt, welche der Lichtgrenze am nächsten liegen, was ich schon oft bemerkt habe. Diese Gebilde schließen sich, im Falle sie hart neben einander liegen, dadurch an einander, daß sie je zwei und zwei solcher Erhöhungen gemeinschaftlich besitzen*); und nur an den in Reihen geordneten läßt sich diese letzterwähnte Bildung wahrnehmen. Erhält die Sonne eine beträchtliche Elevation über sie, so erhalten sie scheinbar die gewöhnliche Gestalt mit einer gemeinschaftlichen Spalte über sie hin**); diese ist bei den nördlichen aber viel beträchtlicher und gegen Süden bemerkt man sie nur schwer und oft gar nicht. Diese Spalte nun verschwindet nicht eher, als nicht unter dem hellen Gestreife diese ganzen Bildungen verschwinden. - Und nun entscheide man hier für eine natürliche unwillkührliche Ursache, wenn man kann! Wie kann die Natur diese, wie ich nicht zweifle, ganz beständigen Gestalten hervorgebracht haben? Sind sie nach dem Schröter´schen Ebullitions-Systeme, sind sie nach der von Zach´schen, viel natürlichern, Aggregations-Ansicht erklärlich? Nach dem erstern müßte der Vulcanismus und nach der letztern die Schwereäußerung nach Zweckvorstellungen sich gerichtet haben. Feiern da die Mondbewohner durch vier Rauchwolken das Sonnenaufgangsfest?


*) M. s. die Abbildung Fig. 7. oben
**) Meine Abbildung Fig. 9.


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Rauchen ihre Kamine noch? Oder ist das hier gesehene Viertheilige in der Natur der Bauart begründet, welches bei höherer Sonne, und weil sie meist von Ost nach West eingekerbt sind, dem Auge nicht mehr auffällt? Ich bin geneigt, das letztere zu glauben; denn dann haben die in der Tiefe in Höhlenwohnungen dieser Bergkessel sich aufhaltenden Seleniten zwei Ausgänge zu den nächsten Nachbarn, und zwei andere in die ost- und westwärts liegenden fruchtbaren Gefilde, und diese Wege sind von ihnen gegraben, wobei sie den Schutt vielleicht zur Vergrößerung der vier Anhöhen verwendeten, um dabei mehr Aussicht in das Weite zu gewinnen. Das Fortgraben aber scheint in den Spalten der Schichten jener veralteten Ringgebirge gar nicht schwer zu seyn. Uebrigens paßt die präcise Aufreihung solcher Gebilde schon gar nicht in die Ordnung der völligen Zerstreutheit aller übrigen, und außerdem fehlen ihnen doch auch alle Merkmale der Vulcanität.
β) Mit diesen viertheiligen Gestaltungen lassen sich auch die oft viereckigen Gestalten des gewöhnlich ziemlich rund erscheinenden Conon und Proclus parallelisiren; obgleich hier die Atmosphäre selbst zuweilen einen wunderbaren Zufall hervorbringen könnte. Ich lasse es dahin gestellt seyn, ob nicht etwa diese Gestalten durch den Rauch der Bewohner der Bergkessel, welche als wahre Bergfesten anzusehen seyn würden, hervorgebracht sind; denn beide liegen in der Nähe fruchtbarer Ebenen, und bewohnbar mögen sie für die Organisation der Seleniten wohl noch seyn.

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c) Solche, als Beispiele, von welchen aus es nur in der Mondnacht zuweilen hell aufbrennt.:

Schröter hatte bereits die leichtglaubigen Annahmen vulkanischer Mondbrände widerlegt und berichtigt*), als neuerdings Piazzi in einem Briefe an Oriani**) die leuchtenden Punkte des Mondes von einem wirklichen Feuer herkommend erklärte, während sie nichts weiter als zurückgeworfenes Licht der Erde seyn konnten; da wirkliches, da wirkliches zufälliges Feuer auf dem Monde zu sehen, mehr als sechsmal so viele Neumonde gehören, als Piazzi dafür für hinlänglich hielt, die Sache zu berichtigen. Lezteres hat sich Schröter auch gefallen lassen, denn er hat über 10 Jahre die Nachtseite beobachtet und er zeichnet, unter den Erscheinungen ähnlicher Art, am Sirsalis, Grimaldi, Aristarch und andern, als wahre zufällige Feuerbrande nur jene aus, die ihm so hell wie kleine Fixsterne vorkamen, die erschienen, und plötzlich, ohne wieder zu kommen, verschwunden waren; dahin, nach ihm, die Erscheinungen in der südwestlichen Gegend des Plato an den Mondalpen***) und in der Gegend von Agrippa und Godin an der westlichen Grenze des Maris Vaporum****) gehören, und


*) A. a. O. Theil I. §. 424 - 480.
**) M. s. v. Zach´s monatliche Correspondenz. 1810. Jan. S. 96.
***) Ebendas. §. 464. Tab. CL. Fig. 1. B. 1.
****) Ebendas. §. 1077. B. II.


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welche er am Schlusse des zweiten Bandes; noch als ganz vorzügliche auszeichnet.
Über 12 Jahre ist es, daß ich sorgfältig auf des Mondes Nachtseite bei meinen Beobachtungen ein aufmerksames Auge habe. Allein auch meine Bemühungen waren nicht fruchtbarer als jene Schröters. Auch ich sah nur zweimal Aehnliches.
α) Am 25. Juli 1821, früh nach halb 3 Uhr, beobachtete ich, mit nur 54maliger Vergrößerung meines 60zolligen Achromaten, die Nachtseite des Mondes (als eben, nach dem letzten Viertel, die Lichtgrenze hart am Schiller stand und der östliche Theil des Randes des Sinus iridum in derselben: war), und bemerkte folgende merkwürdige, aus dem Beobachtungsbuche wörtlich genommene Erscheinung: "Etwa in 40° westlicher Länge und 18° nördlicher Breite, wo die Anhöhe, welche vom Proclus kommt und das Ufer (der Rand) des Palus Somni zusammenkommen, sah ich ein Licht, wie eine Gluht, 3 - 4 Mal hervorblincken, aber auch um 3 Uhr verlöschen; dagegen fand ich um diese Zeit im Mari tranquillitatis, gleich nördlich vom Dionys. areop., zuerst eben so etwas Gluhtähnliches, bald aber glimmte es besser auf, und sah dann aus wie ein Sternchen der 6sten Größe, wenn man ein solches mit dem Tubus besieht; es verlosch aber, so oft es sich zeigte, nach einigen Secunden immer wieder und kam nach etwa 1/2Min. stets neuerdings zum Vorscheine. Nach 3 Uhr begann ein ganz gleiches Phänomen am Promontorio acuto, nicht ganz an der Spitze, sondern auf dem Ufer, im 30° der westlich Länge und un-

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term Aequator. Selten loderten beide Feuer zugleich auf, sondern ohne Zeittypus, ohne Ordnung. Es war ein ruhiger Brand, und wenn sie aufhörten zu glänzen, so sah man vom erstern nicht die geringste Spur mehr, aber vom letztern einen leichten matten Schein*). Das Aufglimmen entstand nie plötzlich, sondern allmälig, so wie das Verlöschen es war, als ob man ein Feuer, das zu verlöschen droht, mit neuem Brennmaterial versähe. Auch war die Stärke, des Aufloderns sich nie gleich. Uebrigens glaubte ich, mitten zwischen diesen beiden Feuern zuweilen ein drittes, aber nur höchstens eine halbe Secunde lang, zu erblicken, welches sich indessen nur 3 Mal ereignete; dagegen sah ich das Phänomen beim Dion. areop. wenigstens 30 Mal und das beim Prom. acuto. gewiß 20 Mal, sogar sah ich noch fast am Tage nach halb 4 Uhr, als schon jede Spur von Meeresgrenze und anderer Gestalt der Nachtseite, verschwunden war, immer ihr Aufglimmen überaus deutlich wiederholen. Auch am Taruntius sah ich einmal eine ähnliche Aufloderung."
β) In derselben Nacht, als ich die Geräumte am Mersenius u. s, w. zeichnete**), sah ich nur


*) Dieses Promontorium hat einen, am Tage sehr hellen, Flecken von einem Circellchen, welcher auch leuchtend aus der Nacht hervorkommt, obgleich Schröter hier nur Ein Mal in der Nachtseite einen lichtern Flecken wahrnahm (B. I. §. 477. Nro. 2.); allein der nach dem ersten Viertel erst leuchtend werdende Flecken beim Dion. areop. konnte auf keinen Fall durch das Erdenlicht leuchten.
**) M. s. meine Abbildung Fig. I.


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Ein Mal und dann nie wieder, einen Lichtpunkt an jener oben angegebenen Stelle, im Norden des Dionysius areopag., auflodern. Bei diesen Erscheinungen ist merkwürdig, daß die letztere Stelle, die sich mit zwei schmalen, niedrigen Ringgebirgen, die wie Kettenringe zusammenhängen, kenntlich macht, in Nordost um die Zeit des Vollmonds ein kleines helles Ringelchen zeigt, das noch ein helleres im Südwesten in sich schließt, in welchem ein schwarzer Punkt gesehen wird, und daß am östlichen jener zwei Ringgebirge, westwärts vor dem letzten Viertel, am 14. Nov. 1821 Morgens halb 1 Uhr von mir ein feines Circellchen beobachtet wurde, welches eine eben so schwarze Umgebung hatte, als viele andere eine weiße zu haben pflegen. - Wenn auch schon das erstere Phänomen vielleicht am richtigsten durch Vegetation erklärlich ist, so ist doch die andere Erscheinung so ganz außer der Ordnung, daß man hier geneigt wird, einen Brandheerd anzunehmen.
Diese Erscheinungen alle, sofern sie auf Brände im Monde schließen lassen, berechtigen doch keineswegs zu einer Folgerung auf Vulcanität oder auf einen natürlichen Brand, den wir pseudovulcanisch nennen; denn wie müßte das kommen, daß gerade zu bestimmten Zeiten in den Mondnächten, wo die Kälte jede Entzündung leicht hindert, diese Brände sich ereignen sollten, und daß die meisten dieser auffallendern Art gerade wenige Tage vor dem Neumonde sichtbar wären? Und wie wäre es möglich, daß hier überall nirgends bei Sonnen-

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aufgang ein Rauch von ganz besonderer Art bemerkt werden könnte? - Man halte nur einen Augenblick, für eine weitere Folgerung, diese Feuer für beabsichtigt, etwa für ein nächtliches Feuerfest der Seleniten bestimmt, so erklären sich alle jene Erscheinungen in der Nähe des Aequators 10 - 13° nordwärts gar leicht durch das Hervorbrechen, des beleuchtetem Rauches aus den Kaminen troglodytischer Mondbewohner. So leuchtet z. B. immer die Gegend, des Copernicus, so die des Manilius und des Menelaus in der Nachtseite, ohne daß wir diese Erscheinung durch reflectirtes Erdenlicht erklären könnten, wie z. B. das Leuchten des Aristarchs und Galiläus. - Wollte man aber Wasservulcane in den Mond setzen, so spricht dagegen eben so sehr sein Mangel an Wasser, als auch der Mangel an den übrigen hierher gehörigen Erscheinungen.

d) Von solchen, neben, oder an welchen eine künstliche Bauaurt bemerklich ist, oder die den Charakter eines willkührlichen Baues ganz tragen.

Es wurde schon oben in gegenwärtiger Nummer (2, Lit. a.) von dem durch Rauchwolken und Dunste veränderlichen, an VoIlständigkeit immer mehr abnehmenden, Ringwalle D am westlichen Canale beim Hyginus gesprochen, und noch früher der vielen canalähnlichen Geräumte Erwähnung gemacht; und nun dürfen wir nur diese beiden Verhältnisse verbinden, um ein Beispiel eines Circellums zu haben, neben welchem eine künstliche Bauart bemerklich ist.

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In eben diese Categorie gehört das Verhältnis der schon mehrmals erwähnten, besonders unter Abth. II. Art. III. Nro. 5 und 7. im Texte, und Abth. III. Lit. A. Nro. 2. beschriebenen Straßen zu den Orten, wohin sie führen, und namentlich das der Verbindung der, von der Nachbarschaft des Eratosthenes ausgehenden und bis zum Rheticus führenden Straße, und der mehr nördlichen kürzern mit den so sehr Kunstverrathenden Rundgrübchen*) zwischen dem Eratosthenes und Copernicus.
Zu den Ringwällen, an welchen eine künstliche Bauart verspürt wird scheinen mir folgende mit steigender Zuverläßigkeit zu gehören: α) Schröter bildet in der XX. Kupfertafel ein gleich südlich am Copernicus belegenes Gebilde b ab, welches er im Texto §. 221. S. 298. ganz gleichgültig eine "im Schatten liegende Einsenkung" nennt; es ist dieses ein Gebilde, welches ich unter allen Umständen als zwei, durch einen Bruch ihrer Wände verbundene, Einsenkungen gesehen habe, ob ich gleich gar oft dabei an beiden Gruben etwas Langgestrecktes wahrnahm, so, daß man dem Schröter sehr unrecht thun würde, ihn einer falschen Darstellung dieses Gegenstandes zu beschuldigen. β) Nicht minder auffallend ist es, daß Schröter bei aller Aufmerksamkeit auf den von ihm so oft abgebildeten Flecken Cassini (39°, nördl. Breite, 3° westl. Länge), die Lücke, welche südwärts in sein Wallgebirge gebrochen ist, nicht


*) M. s. die Abbildungen hier Fig. 7 und 9.; und kurz oben wo sie wieder [unleserliches Wort] sind.

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bemerkt hat; daß er ferner die, an das größere in Cassinis Ringfläche befindliche Ringgebrige angebaute, liegende, kegelförmige, zu verschiedenen Zeiten ganz verschiede sich zeigende Gestalt, die doch so sehr leicht sichtbar ist, eilf Jahre hindurch gar nicht sah, sie erst 1798 erblickte (Tab. 73. Fig. 72.) abbildete γ) Auch Taruntius hat auf seinem Ringwall im Norden, einige Tage nach dem Neumonde eine halbkugelförmige Gestalt, die ganz außer aller Ordnung des Gebirgsbildungstypus im Monde ist; sie ist breiter und scheinbar sehr viel höher, als der Ringwall selbst, und zeigt bei höher gestiegener Sonne im Osten eine fast horizontal hineingehende Oeffnung, wie in eine Grotte; diese Oeffnung hat, nach Norden und Süden hin, eine sehr graudunkel werdende Gegend, und der Ort dieser Oeffnung zeigt sich gegen die Zeit des Vollmondes als eine hellere Stelle. Allein sobald es gegen das letzte Viertel zugeht, so erscheint, statt einer, wenigstens eine Meile im Durchmesser haltenden Halbkugel, die über diese Gegend gedeckt war, ein eben so großer, heller, überaus heiterer Ringberg und gleich an und hinter ihm, im Westen, ein undeutliches Loch in dem Boden. Wenn die Seleniten den meilenbreiten Ringbergen Kappen aufsetzen können, so kann es nur durch Rauch geschehen, da es keinen genau nach der Tageszeit sich richtenden Vulcan giebt. Ein ähnliches Beispiel kommt bei der großen Kluft in der Nachbarschaft des Thebit*) vor, wovon hier noch gegen das


*) S. hier die Abbildung Fig. 3.

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Ende hin weitere Nachricht erfolgen wird. δ) Unter allen Gebilden im Monde ist aber keines auffallender, als das von Schröter (Tab. LVI. hhs) schon abgebildete und von mir durch die ganze Zeit seines Tages gesehene Circellchen mit dem am Boden fortliegenden, nach Südost hin gekehrten, kometenschweif-ähnlichen Gebilde*). So oft ich es betrachte, desto mehr erscheint mir als Kunstwerk: dieser am Boden nur oberflächlich hingelegte, durch eine sehr weiße Materie sichtbar werdende sich allmälig erweiternde (divergirende), immer matter werdende, auf das vollkommenste, sogar durch ein nach Innen gehendes matteres Ansehen sich auszeichnende kometenschweif-ähnliche Streifen. Er unterscheidet sich von den hellen Nebelstreifen um den Copernicus etc. schon durch eine größere Bestimmtheit oder Solidität, und auch vorzüglich dadurch, daß er schon bei Sonnenaufgang sichtbar ist, während die übrigen hellen Streifen auf dunklem Felde erst nach starker Erwärmung des Bodens sichtbar werden. Auch dieses kometenschweif-ähnliche Gebilde liegt auf einer fruchtbaren Ebene, und an seinem Ursprunge zeigt sich


*) Es liegt diese sonderbare Gestalt zwischen dem Langren und dem Taruntius (0° der Breite und 50° der westlichen Länge). Man kann es schon mit starken Zugfernröhren wahrnehmen. In der allgemeinen Mondcharte, welche ich für das astronomsiche Jahrbuch für 1825 an den Ritter von Bode abgab, hätte sich dieser Komentenschweif schon sichtbar dargestellt, wenn nicht südlich in seiner Mitte ein fehlerhafter, weißer Flecken stehen geblieben wäre.

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die Fruchtbarkeit des Bodens so vermehrt, daß er beiderseits durch einen Streif von mehr als 12 Meilen dadurch concentrirt zu seyn scheint, daß er gleich daneben in Nordwest hinweggenommen ist, welche Gegend also als ein hellerer Streifen sich darstellt, was nach dem ersten Viertel immer sichtbarer wird, und wodurch die Kometengestalt, als mit jenen Streifen in Verbindung betrachtet, in die eines lateinischen T übergeht, ohne daß, außer einem scheinbaren Schmalerwerden, die Schweifgestalt selbst etwas verlöre, ja, es zeichnet sich die Kometengestalt noch dadurch, daß die Gegend neben dem Circellchen, welches den Kometenkopf vorstellt, sehr dunkel ist; auf das volkommenste aus, indem durch die größere Helligkeit des beraubten Streifens das dahinter in Nordwest stehende ähnliche Circellchen minder bemerklich gemacht wird. Ich glaube daß, (ohne die Sache mit einem alltäglichen Machtspruch abfertigen zu wollen), alle unsere besten Physiker für dieses Phänomen, ohne Widerspruch, Absurdität u. dgl. keine Hypothese erfinden können, die es aus unorganischen, nicht willkührlichen Ursachen erklären hülfe; denn im Monde so ausschließlich einzige, so bestimmte, so schmale, so vollkommen gerade, allmälig durch eine Strecke von 20 geogr. Meilen fortlaufende, und so eng an einander geschlossene immer nur in der Kometenschweif-Ordnung sich findende, nirgends eine Lücke lassende Linien - zieht die Natur weder durch Klüftebildung noch durch solche, ohne Nonsens gar nicht denkbare, fixe Meteore. - Und nun noch ein Wort von jenen ringförmigen

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Gebilden, welche den Charakter eines willkührlichen Baues ganz tragen. Sie scheinen mir in den Folgenden zu bestehen: a) In der Gegend östlich beim Thebit findet sich eine Kluft, wovon der östliche Theil der Gegend durch eine Strecke von 16 deutschen Meilen dort tiefer*) versunken ist, als der westliche, welches sich dadurch beweist, daß beim letzten Viertel und nach demselben, statt des grellen, schwarzen Schattens, ein heller weißer Streif sich findet. Diese gewaltige Versenkung des Bodens hat nun nach der Schröter´schen Messung einen Abgrund, im Maximum von 425 Fuß vertikaler Höhe, erzeugt. Auf der Anhöhe, hart am Rand dieses Abgrundes, gerade wo er am tiefsten ist, nämlich in der Mitte, genau gegenüber von einem östlich sich findenden Circellum, das noch ein Circellchen im südöstlichen Theile seines Ringgebirges hat**), finden sich, nach einer neuesten Beobachtung - vom 8. März 1824 Abends gegen 8 Uhr, als die Lichtgrenze vom Plato und Hell (Schr.) überall das östliche Drittheil abgeschnitten hatte - zwei äußerst feine Circellchen, von so besonderem Aussehen, daß sie mich im höchsten Grade aufmerksam machten. Sie sind wenigstens 15 Mal kleiner, als jene größten


*) Schröter hat diese Versenkung nach den hier angegebenen Massen bestimmt. Die Abbildung hier Fig. 3. giebt etwas mehr als die Hälfte dieser Kluft mit dem grellen Schatten, der links auf ein Circellchen zuläuft.
**) M.s. hier die 3te Figur a und b.


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Circellchen zwischen Eratosthonos und Copernicus, können also höchstens 200 Fuß im Durchmesser halten. Zudem schien mir der Ringwall eines jeden so dünn, daß er wie ein in großer Ferne gesehener Ring von weißem Papier aussah*), der auf einer hellgrauen Fläche steht; und diese beiden Gebilde standen so nahe am Abgrunde, daß das südlichere keinen ganzen eigenen Durchmesser und das nördliche nur höchstens 1 1/4 seines Durchmessers von demselben abstand. Giebt man sich Mühe, dieses Phänomen zu erklären, so ist nur die Wahl zwischen dem Zufall und der Willkühr. Nehmen wir nun in ersterer Hinsicht an, sie seien natürliche Circellchen, so könnten sie, ohne von dem sich noch vollkommen scharf erhaltenen Rande abzubrechen und hinabzustürzen, nach der Aggregationstheorie nicht mehr in dieser Lage existiren; noch weniger aber nach der vulcanischen oder Ebullitions Theorie, weil sie leichter nach der steilen Wand des Abgrundes hin durchgebrochen und hinabgestürzt wären, als daß sie sich aufwärts durch den geschichteten Boden gewühlt hätten. Nimmt man aber an, sie wären von verständigen Wesen erbauet, so erklärt sich Alles ganz gut, und selbst die Dünnheit der ringförmigen Wand, die gar wohl eine bloße Mauer seyn kann**). Sollte diese bei-


*) Weil die Luft gar nicht vibrirte, so konnte ich diese deutlich sehen.
**) Große Refractoren, wie sie von 9 - 12 Zoll Oeffnung Herr Fraunhofer jetzt in Arbeit hat, werden über das Ansehen dieser Circellchen wohl weiter entscheiden; ich bezweifle aber, daß man jemals die in diesen Ringmauern befindlichen Objekte wird unterscheiden können.


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den Gebilde nicht Herbergen für neugierige reisende Seleniten seyn? Wohl sah ich damals, ostwärts in der Tiefe, als auch 2 Tage nachher, noch mehreren feinste natürliche, jedoch etwas größere Circellchen, allein auf der Fläche, westwärts des Abgrundes, fand ich kein Gebilde dieser Art, und ich kann nicht entscheiden, ob da keine existiren oder ob sie von Nebel bedeckt, oder, um sichtbar zu seyn, viel zu klein waren*). β) Ich habe oben (Abth. II. dritte Art, Nro. 11.) einer Furche in der so eben besprochenen Gegend im Osten an der Kluft von Thebit erwähnt, die scheinbar aus einer Grotte kommt, wenn sie beim dortigen Sonnenaufgange beobachtet wird. Die Grotte wurde sowohl von Schröter, als von mir, in einer gestreckten ovalen Gestalt erblickt, und nordwärts von ihr schien der Boden fast halbkugelförmig aufgequollen und diese hellere Geschwulst schien sich gegen Nordwest weiter fortzuziehen**), wie ich wenigstens dieses am 1. Jan. 1822 Abends 7 3/4 Uhr gesehen habe. Ob ich gleich damals schon diese Geschwulst für die Maske von einer Rauchwolke ansah, so entschied sich doch diese Sache erst neuerlich am 10. März Abends gegen 10 Uhr, als


*) Auch hierüber werden die Riesenrefractoren entscheiden, die hoffentlich mehr thun werden, als mein scharfes, geübtes Auge.
**) M. s. hier die Abbildung Fig. 3.


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die Lichtgrenze am östlichen Fuße des Kircher und des gebirgigen Ufers des Sinius iridum vorbei gieng; denn da sah ich; daß diese vermeintliche Grotte aus einer Doppelgrube besteht, wovon keine einzige eine Spur eines Ringwalles hatte, woneben sogleich nordwärts von dieser Grube ein freies, mit einem Ringwalle versehenes, Circellchen steht, dessen Oeffnung viel kleiner ist, als eine der beiden Gruben jener Doppelgrube, und auch ostwärts steht bei dieser ein größeres Circellchen, und dazwischen ein dunkler, grauer Streif. Der Rauchnebel*) hatte also damals diese Gegenstände verdeckt; und die Doppelgrube als Grotte vorgestellt. Aber auch dieses Mal sah ich deutlich, wie in die erwähnte Doppelgrube sich das Geräumte endet, und der Weg sich allmälig unter den Boden in die südlichere Grube versenkt, mit welcher die nördliche Grube durch einen weiten Graben in Verbindung, steht. Hat hier das Fatum der anorganischen Natur einen 8 Meilen langen, 100 Fuß breiten Weg vom Doppclcircellum bis zur Doppelgrube gebahnt? Hat sie die Ringwälle der letztern abgetragen und sie rnit einem Graben untereinander in Verbindung gesetzt? Hat sie allemal aus dem im Norden da-


*) Ich habe kürzlich oben bereits unter D, d, γ bemerkt: daß es keinen nach der Tageszeit sich richtenden Vulcan gebe; allein hier mangelt den Gruben auch noch der Ringwall. Wer also diese Gruben für 2 Vulcane erklären wollte, müßte auf den tollen Einfall kommen, Vulcane anzunehmen, die, statt nach auswärts in den Boden hinein speien.

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hinter gelegenen Circellchen bloß bei und nach Sonnenaufgang einen Rauch austeigen lassen? Wird dieses bejaht, so muß man auch zugeben: daß die anorganische Natur Verstand hat, und nach Zweckvorstellungen verfahren kann. γ) Desgleichen am 8. März 1824 entdeckte ich, unter den oben angebenen Umständen, neuerdings im Sinus paestanus (Hev.) ein 7-9 Meilen langes Geräumte*), welches von einem schmalen, mit den Apenninen parallel laufenden, langen Felszug (unter 6° östlicher Länge und 8° nördlicher Breite) beginnt, fast gerade und in der Richtung gegen den Archimedes fortläuft, und sich da, wo der Boden anfängt, sich hell und uneben zu zeigen, in ein unförmliches Loch (unter 5° östlicher Länge und 24° nördlicher Breite) verliert**). Da an einigen Stellen dieser Furche die südwestlich Gegend erhabener, als gewöhnlich zu sehn schien, so war ich begierig, wie sie sich bei höherm Stande der Sonne darstellte; dieses gelang mir am 10. März, 1824 unter den eben angegebenen Umständen, da also die Sonne schon sehr hoch stand; ich fand nicht bloß, was ich gesehen hatte


*) Ich hatte demselben Tage noch 3 andere Straßen entdeckt, die alle in gerader Richtung von den Apenninen gegen Archimedes gehen, und woran ein (beinahe 20 Meilen lang) ihn wirklich erreicht.
**) Diese Grube liegt etwa 3 Meilen südwestwärts des von Schröter zwischen λ und θ gezeichnete Streif zeigte sich diesmal auch als Furche.


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bestätigt, sondern ich bemerkte, daß dieser Weg zwischen Wolff (Schr.) und dem westlich gleich neben ihm liegenden kleinen Berg von den Apenninen herabkommt, so daß man vermuthen darf, es stünde der Sinus paestanus mit dem Sinus hipponiates*) durch eine Straße in Verbindung, und diese vielleicht wieder durch die, das Ufer vorstellende, Furche dieser letztern Bucht, die eine natürliche Bahn durch eine der fruchtreichsten Gegenden abgiebt; und überhaupt mag diese Bahn wohl zum großen Kunstbau im Schröter führen; denn es ist um so leichter zu glauben, als in diese Furche, wie ich auch zugleich oben bemerkte vom Eratosthenes her, ein deutliches Geräumte führt.


*) Gleich Schröters Mondfleck war mir dieser Sinus schon vor fast 30 Jahren, als ich noch mit gemeinen Fernröhren von 14 und 24 Fuß Brennweite beobachtete, ein Gegenstand der gespannten Aufmerksamkeit. Allein erst in den letzten Tagen, ehe ich diesen Rest der Abhandlung dem Drucke übergab, nämlich am 20. und 21. April 1824, bemerkte ich in der Ringrinne des Sinus Hipponiates, die sonst immer sehr dunkel blieb, daß mehrere feine und feinste Circellchen in derselben zu sehen waren, was eine Anzeige war, daß hier eine "besondere" Heiterkeit eben statt finden müsse, da man sonst in ihr gar keines erblicken konnte; ich strengte nun meine Gesichtskraft weiter an, und bemerkte und bemerkte da eine Melange, gerade wie ich ihn auf 10 Meilen weiter Entfernung vom Arber des Waldgebirgs in Böhmen frei gesehen hatte; kurz, ich sah eine große Mannigfaltigkeit von allerlei verschieden gestalteten Erhabenheiten, Schattenringen und leiden Farbunterschieden, so daß hier ohne Zweifel ein Platz ist, der in der Entdeckungsgeschichte der Seleniten dereinst Epoche machen wird.

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So scheinen also diese beiden Sinus unter der Herrschaft der Bewohner des großen Kunstbaues im Schröter zu stehen. - Mag man auch immerhin diese Muthmaßung verwerfen, so bleibt doch die Erscheinung dieser Straße, welche in ein erweitertes Loch führt, unerklärlich, wenn nicht Kunst und Willkühr mitgewirkt haben sollten. Und wozu nun ein so langer Weg, um in ein Loch unter den Boden zu kommen? Werden hier Wallfahrten her gemacht, oder wird da Bergbau getrieben, oder führt jener Berg unter dem Boden weiter fort? Haben die Mondbewohner auch Straßen unter dem Boden? - Die Umstände erzeugen bei ihnen allerdings ein Bedürfniß der Wanderung bei Nachtzeit. Allein, wie wollen wir einer solchen Sache gewisser werden? So viel ist indessen evident, daß diese beiden Gebilde (nämlich das hier und jenes am Thebit) einander sehr ähnlich sind, und daß der sonderbarste Zufall von der Welt sich nicht so leicht hätte verdoppeln können, wenn hier nicht Kunst mit im Spiele wäre.
Wie weit es nun auch hieher gehört, wenn an der Decoration manches Circellums in der Nähe des Aequators etwas geändert wird, ist schwer zu bestimmen, nämlich ob es durch Willkühr, oder durch eine Art von Vegetation, oder auf eine andere Weise geschieht; allein, bemerken muß ich doch: obgleich die meisten hellen Circellen des Mondes durch alle Wechselzeiten hell bleiben, so giebt es dagegen auch einzelne, die in dem Verhältniß sich verdunkeln, als ihre Abendzeit zum Sonnenuntergang über sie heran-

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rückt; und wiederum giebt es andere einzelne, welche erst anfangen hell zu werden, während alle dunkeln Flecke ihrer dunkelsten Zeitperiode sich nähern. Zur ersten Art gehört die schon erwähnte Stelle am Dion. areop. und die im Byrgius; zur zweiten gehört die Insula cyanea (Hev.), welche anfangs eine helle Umgebung und nach dem Vollmonde eine dunkle hat; auch gehört hieher eine Stelle, südwärts vom Firmicus (unter 62° westlicher Länge und 3° nördlicher Breite), die zur Zeit des Vollmondes ganz zu leuchten aufhört, besonders dann, wann die bittern Sümpfe anfangen abzubleichen. Es giebt auch sonst noch viele andere Erscheinungen die man eben so wenig aus Neigung so oder so deuten kann, als die größte Zahl der in dieser Abhandlung aufgeführten.

Schlußerklärung.

Hiemit übergebe ich der gelehrten Welt diese gewiß für das menschliche Wissen nicht unwichtigen Entdeckungen, in einem Zeitalter, da fast in eines jeden naturwissenschaftlichen Mannes Händen gute Achromaten sind, und da also auch diejenigen, welche sehr starke Instrumente dieser Art besitzen, im Stande sind, eine Revision der meisten hier niedergelegten Beobachtungen anstellen zu können.
Hiemit fällt alle Vermuthung einiger Fiction oder Uebertreibung hinweg. Allein, Niemand darf sich einbilden, daß, wenn er sich ein großes Instrument zu einer solchen Revision anschafft, letztere in einigen Tagen

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oder Monaten abgethan seyn wird. Ich habe zwölf Jahre lang *) auf eine günstige Gelegenheit, die Configuration kleiner Hügelchen, nördlich am


*) So lange ist es, daß ich mit Achromaten beobachte. Allein in meinem 18ten Jahre hatte ich schon alle Localitäten im Monde nach Hevels und Ricciolis Charten, welche Doppelmayer herausgab, durch gemeine Sternröhre kennen gelernt; und es es ist auch zum Theile sehr gut, daß mir nicht sogleich Achromaten zu Gebote standen; denn es mußte sich das Auge an minder deutlich zeigenden Instrumenten üben, um dann mit Achromaten Alles entwickeln zu können, was möglich ist. Ein geübtes Auge und, vollständige Localkenntnisse des weiter zu erforschenden Gegenstandes geben einem guten Achromaten eine doppelte, ja eine mehrfache Stärke, und mein Fraunhofer'sches Fernrohr mit 4 Pariser-Zoll Öffnung leistet überhaupt mehr auf Mondgegenstände als dem leider zu früh der physischen Astronomie entrissenen Schröter sein 27fußiger Teleskop leistete; und doch hat Schröter sogar schon mit seinem 7fußigen Herschel´schen Teleskope und mit 161maliger Vergrößerung im Monde Gegenstände von 50 Fuß senkrechter Höhe entdeckt; allein ich entdeckte darin kaum 25 Fuß hohe Gegenstände mit dem eben erwähnten Achromaten, mittelst Vergrößerungen von120 und 272mal; denn das starke Licht der Teleskope (die, seyen sie auch noch so gut, keine beträchtliche Vergrößerung mit hinlänglicher Deutlichkeit, zur Milderung vertragen) überreitzt das Auge und stumpft es ab. Schon die Axendrehung der Erde, der Zustand der Erdatmosphäre und noch mehrere andere Dinge machen, wie Bode recht gut dargethan hat, Vergrößerungen, die über 4 - 500mal gehen, unnütz und unbrauchbar; daher ist es auch lächerlich und zeugt von Unwissenheit in diesen Dingen, wenn man, um meine wirklich gemachten Entdeckungen für unmöglich erklären zu können, bloß Vergrößerungen verlangt, die in die Tausende gehen, da uns die stärkeren Achromaten schon mit hundertmaligen Vergrößerungen Kunstgegenstände im Monde zeigen.

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Marius, beobachten zu können, vergebens gewartet, während ich der sonderbarsten und interessantesten Mondbeobachtungen zu Tausenden angestellt habe; heute hindert die Libration, morgen die Phase, übermorgen eine trübe Mondathmosphäre, meistens aber eine trübe oder bewegte Erdenluft, recht zu sehen, was man gern recht sehen möchte. Unerschöpfliche Geduld und Aufopferungen aller Art gehören dazu, diese Dinge alle zu sehen und viele Jahre Zeit. Wer also über das Ganze abspricht, wird es nicht gleich gründlich können, und allemal mag er dabei sich hüten, die von dem Verstande geforderten Verhältnisse im nicht rechten Maaße und mit nicht gehöriger Consequenz zu verarbeiten, wenn er nicht eben so exponirt seyn will, wie der Possenreißer, der seinen Antheil an dieser Sache gewiß auch nicht wird aufgeben wollen.
Daß ich keineswegs gesucht habe, was ich hier fand, kann ich durch meine Beobachtungsbücher beweisen, und ehe ich die sechs Quartanten registrierte, wußte ich selbst nicht einmal, wie viel Wichtiges über die Spuren der Seleniten bereits beobachtet ist, weil das Gedächtniß nach Jahren über die Millionen anderer wissenschaftlicher Sachen hievon sehr vieles wieder fallen läßt. Einzig das große Kunstwerk im Mondflecken Schröter machte, daß ich an diese Arbeit gieng; denn zeither suchte ich bloß selenognostische Thatsachen. Die Ehre einer solchen Entdeckung habe ich mir also nie durch Mühe erringen wollen. Sie wurde gefunden.

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Niemand glaube aber andererseits, daß hiemit in dieser Sache schon Alles abgethan sey. Nein, es ist vielmehr nur ein unbedeutender Anfang gemacht, und Vieles wird noch zu berichtigen, zu erweitern und zu entdecken seyn. Mit Zwerginstrumenten kann man aber nur Zwergenschritte machen, und nur mit Rieseninstrumenten kann es gelingen, hier Riesenschritte zu thun, wenn es am Fleiße nicht gebricht.
Die Sache mag übrigens gehen oder kommen, wie sie will, ich werde nie glauben können, daß sich jemals wieder die Spuren verständiger Bewohner vom Monde verlieren werden; vielmehr wird das ungleich Wichtigere, das noch entdeckt werden muß, an dieser meiner Abhandlung nur einen unverrückbaren Fingerzeig auf der sichern Straße zu ihm haben, welcher Wegweiser in einer neuen Welt, worin die Natur in einem ganz andern Dialekte spricht, gar nothwendig gewesen ist. Es muß also nun wohl damit besser gehen, da man einmal weiß wie, wann und wo?


Selenognostische
Erklärung der Abbildungen
der zweiten Tafel.


A. Orientirung der Kärtchen:

Die Kärtchen, welche hier verschiedene Flächentheil des Mondes vorstellen, durften, wegen

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der Gewohnheit des Menschen, die Beleuchtung immer von oben her zu erhalten, nicht anders, als so, wie sie hier gestellt sind, stehen; daher weichen diese Specialkärtchen in Ansehung der Orientirung von einander ab; nämlich Fig. 1. hat oben Ost, unten West, links Süd und rechts Nord. Ebeo so ist das Kärtchen Fig. 5, orientirt. Bei allen übrigen Kärtchen verhält sich's umgekehrt, so daß sie oben West, unten Ost, rechts Süd und links Nord haben.

B. Erklärung derselben.

Fig. 1. stellt den cirkelrunden, durch seine Seitenlage auf der Mondkugel elliptisch erscheinenden Mersenius vor, wie er von Osten aus durch die oben über dieses merkwürdige Ringgebirge aufgehende Sonne beleuchtet wird, und wie die unter ihm westlich befindliche Fläche, Theils noch mit Schatten der Nacht bedeckt, theils in viereckige Felder abgetheilt, unter dieser Beleuchtung erscheint. Diese Gegend befindet sich an der östlichen Grenze des Maris humorum unter dem 24° südlicher Breite und 48° östlicher Länge, so daß der Hügel e g ohne Zweifel das Ufer ausmachen würde, wenn gegenwärtig das Maro humorum noch Wasser hätte. Unter t u erblickt man das Ringwallsystem des Mersenius mit seinem geschichteten Ringgebirge und seiner Kugelfläche in seinem innern. Auf dieser Kugelfläche findet sich eine Spalte und fast in der Mitte dieser Spalte ein feines Circellchen, und zu anderen Zeiten zeigt sich da, wo das Sternchen ist, ein ähnliches. Bei w,

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s und h sind kleine Ringgebirge, die zum Theil mit Wolken oder Rauch bedeckt sind und zu verschiedenen Zeiten ein verschiedenes Ansehen haben so wie auch das Letztere im Allgemeinen von der ganzen höher liegenden Umgegend des Mersenius gilt, woran auch die Vegetation ihren Theil. hat. g ist ein Circellum, welches sich durch eine vorzügliche Tiefe auszeichnet, und bei i blinkt ein mondsichelförmiger Theil des Ringwalles eines ähnlichen Circellums durch die dort von der Sonne noch nicht verscheuchte Mondnacht. k ist ein kleiner Hügel von nicht viel über 100 Fuß senkrechter Höhe, und ähnlich hohe, obgleich viel breitere Hügel finden sich in größerer Zahl zwischen c g und e g, deren Bedeutung und Natur von großem Interesse sind*). Diese ganze, eine


*) Um jedoch diejenigen, welche gern wissen möchten, wie ich (der ich über die Mondgegenstände mit hinlänglicher naturwissenschaftlicher und topologischer Vorbereitung, mehr als vielleicht irgend ein Anderer, auf unserer Erde nachgedacht habe) mir die großen Gebäude unter dem Boden auf dem Monde recht eigentlich vorstelle, zu befriedigen, so bemerke ich Folgendes: Abgesehen davon, dass einsiedlerisch lebende selenitische Familien ihre Balangonen und Jurten haben, wie ich mich darüber hier anderwärts aussprach, so ist doch das Bedürfnis, in Gesellschaft zu leben, auf einem Weltkörper, wie dem Monde, wo alle Monate die Extreme von Hitze und Kälte für lebende Wesen unerträglich werden, ungleich größer. Der Mondbewohner, welcher mit eben, der Leichtigkeit, als wir 20 Pfund tragen, 100 Pfund trägt, unterminirt sich seinen Boden also eben um so viel leichter als wir, besonders wenn dieser auch noch recht homogen ist, und z.B. aus Tuff oder Sandstein besteht. Man [weiter auf Seite 106] stelle sich den antiken Steinbruch bei Mastricht vor, welcher einen wagerecht und eben fortlaufenden, hohen, mit Säulen zur Unterstützung versehenen Raum von mehr als zwei Meilen im Durchmesser hat, dessen Inhalt, wie alle Spuren es beweisen, von Menschen ausgehauen und zum Bauen verwendet worden ist, so hat man ungefähr eine Idee, die der meinigen von, der Bauart der Mondbewohner gleicht. Da aber letztere den ausgegrabenen Schutt zu Gebäuden weiter nicht verwenden, so können sie nichts Klügeres thun, als ihn gerade über den unter dem Boden gemachten Höhlen aufzuhäufen, und dann höchstens daraus sich Grotten für den etwa momentanen Sommeraufenthalt im Freien zu wölben, weil sie, wie ich glaube, bei so geräumigen, fundierten Aufenthaltsorten der Jurten nicht bedürfen. Diese Schuttaufhäufung hat den Nutzen, daß sie so gar sehr tief zu graben nicht benöthigt sind, da der aufgehäufte Schutt schon eine warme Decke ist. Auf diese Art verschafft sich höchstwahrscheinlich der Mondbewohner eine ganze Welt unter dem Boden (wovon vielleicht jede neue Familie einen gewissen Raum auszuhöhlen hat), während wir von derselben gar nichts ansichtig werden, als den über ihr aufgehäuften Schutt. So nun mag es sich verhalten: 1) mit dem colossalen, im Ganzen aber nur mit sehr flachen, niedrigen jedoch mehrere Meilen langen Wällen versehenen Kunstbau im Mondflecken Schröter, und 2) mit mancher Bergader, die von Circellum zu Circellum geht, und so 3) im kleinen Style, mit den einzelnen, gehäuften, selenitischen, wahrscheinlich ganzen, großen Familien angehörenden, Gebäuden am Westrand des Maris crisium, die höchstens eine halbe Meile in der Länge, und, wil sie dem Mondrande so nahe liegen, vielleicht auch in der Breite haben, während sie etwa 80 bis 150 Fuß hoch sind. Andere unter und über 50 Fuß hohe, wie sie Schröter beim Marius gesehen hat, mögen von gleicher Beschaffenheit seyn. Aus der Theorie zu wissen, wie sie sich aber in ihrer subselenischen Welt die einzelnen Wohnungsräume einrichten, darauf werden wir wohl verzichten müssen; nur so viel scheint gewiß, daß sie, nebst dem großen Ganzen, auch einzeln ihre Beleuchtung haben müssen, die vielleicht bloß in der Exposition phosphorescirender Substanzen besteht.

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niedrige Lage habende Gegend, hat zu allen Zeiten ein graues Ansehen, und ist mit Vegetation bedeckt, die, wie die darin gezogenen Furchen ver-

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muthen lassen, in Wildern besteht, da dann diese Furchen als bloß Geräumte erscheinen. Am deutlichsten ist die Furche zwischen c und g, und sie nimmt bei c noch kein Ende, sondern zieht sich in der Richtung g c nach Nord durch eine noch viermal so lange Strecke bis in das Mare aegyptiacum fort. Hiernach folgt an Deutlichkeit die Furche. in der Richtung d s, in welcher sich die Natur eines Geräumtes noch deutlicher offenbart, und die sich in der Richtung s d im Mari humorum allmälig verliert, und sie scheint vom Mersenius selbst zu kommen, obgleich ihre Verbindung mit diesem, wegen Wolkenbedeckung, hier schwer auszumitteln seyn dürfte. Die noch ganz deutliche Furche zwischen e und h erreicht e nicht mehr ganz; sie verliert sich hier ganz allmälig, und eben so scheint die minder deutliche Furche zwischen l und s sich am Abhange g e ganz zu verlieren. Ob an der Schattengrenze eine ununterbrochene Furche von l in der Richtung nach t fortgeht oder nicht, konnte nicht gut ausgemittelt werden, weil darüber hin der Halbschatten fiel; man muß es also dahin gestellt seyn lassen, ob hier überhaupt nur eine Furche ist.

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Fig. 2. Dieses Kärtchen stellt die Landschaft vor, welche zu den fruchtbarsten Flächentheilen der uns sichtbaren Halbkugel des Mondes gehört, daher sie auch so sehr dunkel ist, besonders im östlichen Theile. Hier ist sie dargestellt, wie sie am dritten Tage nach dem ersten Viertel sich zeigt, und das darin gezeichnete Viereck giebt den Umfang des Kärtchens Fig.6. an, worin sich das hier, theils wegen der darüber schon zu hoch stehenden Sonne, theils wegen dort getrübter Luft nicht sichtbare Kunstgebäude findet. Ich habe dieser Landschaft den Namen Schröter gegeben (s. oben im Texte und im astronomischen Jahrbuche von Bode für 1825, S. 201 und 258). Bode hat ihre selenographische Länge auf l0° östlich und die Breite auf 5° nördlich angegeben. Hiebei muß man bei Vergleichung mit der Natur nie vergessen, daß sich die fruchtbarsten Flächentheile, worin auch noch monatliche Cultur statt zu finden scheint, auf das Mannigfaltigste verändern, wie denn dieses mit dieser Landschaft sich ganz vorzüglich alle Monate ereignet.
Fig. 3. Dieser Theil der Mondoberfläche stellt die östlich beim Thebit (unter 23° südlicher Breite und 8° östlicher Länge), liegende Gegend der großen Spalte vor. Sie enthält bei a ein Doppelcircellum, welches an seinem größern Ringgebirge eine Spalte hat, und von welchem ein starkes Geräumte gegen Nord an eine scheinbare Grotte geht, über welcher eine Halbkugel von Rauch angehäuft ist, welche sich jedes Mal nach dem dortigen Aufgange der Sonne zeigt, die in der Folge aber ver-

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schwindet, und wofür ein doppeltes Loch in den Boden, worin das Geräumte führt, und noch ein feines Circellum zum Vorschein kommen, welches letztere ganz unter dem Rauche verborgen gewesen war. Da hier durchaus keine Spur von Vulcanität bemerklich ist, so ist zu vermuthen, daß in dieser Gegend Höhlenbewohner des Mondes hausen, besonders, weil hier herum der Boden fruchtbar zu seyn scheint. Von b nach Nord zieht sich die große Kluft hin, wovon oben geredet wurde. (So ein Beispiel von Loch in den Boden, wohin ein Geräumte führt, findet sich im Sinus paestanus; und ein Loch, welches nach Sonnenaufgang über demselben eine gleiche Rauchkappe hat, ist auf dem Ringwall des Taruntius beobachtet worden).
Fig. 4. zeigt die außergewöhnliche Gestaltung und Veränderung der grauen Stellen des Lacus trasimenus (unter 25° nördlicher Breite und 5° westlicher Länge), wie sich binnen einigen Stunden die Gestalt a in die Gestalt b verwandelte, welches nur aus schnellem Einernten an diesen fruchtbaren Stellen erklärlich ist.
Fig. 5. ist die Abbildung einer Ortschaft im Mari crisium (unter 17° nördlicher Breite und 68° westlicher Länge), welche die, unsere Häuser an Höhe nicht übertreffenden, Gewölbe über den Sommer- oder Tagwohnungen der Mondbewohner bei a und einen Theil der höchst fruchtbaren Umgegend a, b, c (die beim Alhazen erwiesener Weise erst unter den Beobachtungen Schröters zu cultiviren angefangen, und mit steigender Zunahme fortgefahren worden ist) vorstellt.

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Fig. 6. Diese Abbildung giebt das Ansehen des großes Kunstgebäudes im Mondflecken Schröter, wovon die zweite Figur den Ort angiebt: Das Circellchen, in Süd, die zwei hohen Berge in Nord und Nordwest, und die beiden Hügel in Südwest sind natürliche Gegenstände; an dem Circellum in West scheint gekünstelt worden zu sein; alles Uebrige in dieser Figur ist offenbar Erzeugniß des selenitischen Fleißes. Die hier sich zeigenden Wälle sind meist über eine Meile breit, übertreffen an Höhe vielleicht nicht einmal die höchsten Gebäude auf der Erde, sind aber meistens mehrere Meilen lang. Es ist höchst wahrscheinlich, daß sie zu Wohnungen verständiger Wesen im Monde dienen.
Fig. 7. Sind Gestalten der feinen Circellchen zwischen dem Eratosthenes und Copernicus, wenn eben über ihnen die Sonne aufgeht, und welche sich späterhin als regelmäßige Circellchen, oder als solche Gestalten, wie sie Fig. 9. abgebildet sind, zeigen. Jene Gestalten scheinen auf eine zweckmäßige Veränderung durch Kunst zu deuten.
Fig. 8. ist eine lineare Aufbildung einer Landschaft im Norden am Agrippa (unter 7° nördlicher Breite und 11° westlicher Länge), welche meist mit Geräumten, gleichsam wie die holländischen Canäle, durchzogen ist. Bei D ist das merkwürdige Circellum, welches zu Schröters Zeit Anfangs ganz war, aber späterhin schon an seinem Ringwalle auf der Nordseite abgenommen hatte und zeither daran so viel verloren hat, daß es in der jetzigen Gestalt erscheint. Das Ganze ist durch die Spalte cD in 2 Theile getheilt, welche Spalte

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sich nach Westen weiter fortsetzt. ki scheint eine ähnliche Kluft zu seyn, und beide hatte Schröter schon entdeckt; de scheint ein breites Thal oder ein breiter Graben zu seyn. Die übrigen Linien stellen Furchen vor, nämlich eg, ef, ch, km, ka, ab und bc; sie tragen den Charakter der Geräumte; il aber ist die Lichtgrenze. Bei h ist ein kleines Circellchen am Agrippa und der in der concaven Seite beschattete Gebirgsbogen ist der Agrippa selbst. Möglich ist es indessen, daß die Furche km früher eine Flußbettvertiefung hatte, und daß bc zur Kluft cD gehört. Schon Schröter glaubte, daß in dieser Gegend ein gewerbsames Volk wohnen müßte; was würde er erst geglaubt haben, wenn er diese Geräumte gekannt und wenn er gewußt hätte, wie sehr sich das Circellum D dereinst in vielerlei Rücksicht verändern würde?
Fig.9. sind die zwischen den Spalten der Schichten verwitterter, großer Ringgebirge künstlich hineingebildeten Gruben, wovon bereits bei Fig. 7, Meldung geschah.

C. Sichtbarkeit und Größe der Mondgegenstände in Bezug auf die Kärtchen der zweiten Tafel.

Mit 90maliger Vergrößerung meines guten Achromaten, von 19 Linien Oeffnung, kann ich im Monde, unter günstigen Umständen, noch recht leicht 36 Schattenpunkte innerhalb einer geographischen Quadratmeile wahrnehmen. Eine Quadratmeile im Monde aber deckt, nach Schröterschen Vermessungen, auf dem Papiere ungefähr eine Quadrat-

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linie (d.h. das Quadrat vom 121ten Theile eines Pariser Zolles); und in diesem Raume kann man 36 hinein verzeichnete schwarze Punkte wahrnehmen und sogar zählen. Mit 270maliger Vergrößerung meines 60zolligen Fraunhofer'schen Fernrohrs, von 4 Pariser Zoll Oeffnung, kann ich daher 324 Schattenpunkte, zwischen welchen eben so viele helle Räume sind, in einer Quadratmeile wahrnehmen. Nun mißt aber eine geographisch Meile 22860 Pariser Fuß; und theilt man die lezteren in 18 Theile, so treffen für jeden wahrnehmbaren Schattenpunkt mit seinem hellen Zwischenraume 1270 Pariser Fuß. Setzen wir nun in einen solchen hellen Zwischenraum z.B. eine ägyptische Pyramide von 633 Fuß Höhe, so wird auch der Schatten über 600 Fuß lang und wie ein oben angegebener schwarzer Punkt gesehen werden müssen, wenn über ihrem Horizonte die Sonne 45° hoch steht.
Mondgegenstände von solcher Höhe und Breite aber werfen, wenn über ihnen eben die Sonne aufgeht, wenigstens einen Meile langen wahrnehmbaren Schatten, und es müßte diesem nach zu derselben Zeit ein 18mal kleinerer Gegenstand, z. B. ein Haus von 35 Fuß Höhe, im Monde noch sichtbar seyn, welches dann kleiner als unsere gewöhnlichen, zwei Geschoß hohen, Bauernhütten wäre. Allein, ein sehr scharfes Auge, wie das meinige, nimmt unter diesen Umständen auch noch halb so große Schattenpunkte, und sollten sie aus bloßem Halbbschatten bestehen, wahr, ob sie gleich nicht mehr gezählt werden können (was im Monde, wegen der Unruhe der gemeinen Erdeluft ohnehin

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bei 2 bis 4 mal größern nicht möglich ist); und somit kann mein Auge auf hellem Felde Schattenpunkte von Gegenständen auf dem Monde sehen, die 18 Fuß senkrechte Höhe haben. Ist auch gleich das Feld hellgrau, so nehme ich doch dort ähnlich große, sehr nahe beisammenstehende Gegenstände wie Flugsand, oder wie die Oberfläche eines grauen Sammets wahr, und es bekommt dann seine eigene, nicht zu verkennende, Physiognomie. Diese meine Messung stimmt mit der Erfahrung und mit der Schröter'schen Messungsart ganz überein. Da nun die großen Kunstgegenstände der Seleniten ein so mikroskopisches Sehvermögen mehrentheils gar nicht nöthig haben, um als solche erkannt zu werden, so ist auch das Zusammentreffen aller günstigsten Umstände nicht immer erforderlich, wenn nur der gehörige Schatten mit seinen Abstuffungen nicht mangelt, der an dem Gegenstande die Gestalt entwickelt, welche Forderung durch Fleiß und Aufmerksamkeit allein realisirt werden kann. Nach dieser gegebenen allgemeinen Ansicht von der Sichtbarkeit und Größe der Mondgegenstände im Bezug auf diese Kärtchen der zweiten Tabelle, ist ihre Größe nach einem geübten Augenmaaße auf folgende Weise bestimmt worden:
Die scheinbare lange Achse des großen Ringgebirges Mersenius in der ersten Figur, hat nach 2 Schröter'schen Karten im Mittel 11 1/2 geograhische Meilen in der Länge. Eine geographische Meile auf der Mondoberfläche mißt in dieser Charte Fig. 1. nahe 1 1/5 einer Pariser Linie. Die Objecte der zweiten Figur haben etwas mehr, als die eben

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(von Fig. 1.) angegebene Dimension. Die von der sechsten aber haben fast das Doppelte und man unterscheidet hier die Mehrzahl der Wälle im Kunstbau nur durch den Halbschatten. Die dritte Figur hält genau die Schröter'schen Dimensionen! (seiner 28 und 29sten Kupfertafel), worin eine Pariser Linie fast über eine deutsche Meile ausmacht. Die vierte Figur hält etwas mehr, als die eben angegebenen Dimensionen. Die Gegenstände der fünften Figur sind reichlich doppelt so groß, als die in der ersten Figur enthaltenen. Die der siebenten Figur haben eine beinahe viermal größere Dimension, als jene der ersten Figur. Die Gegenstände der achten Figur haben eine nur um 1/3 größere Dimension, die der neunten Figur aber eine dreifache von jenen der ersten Figur.

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